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Was wurde eigentlich aus Julia Lüpfert?

Julia Lüpfert mit ihrem ersten Spiel
Julia Lüpfert mit ihrem ersten Spiel

Alles neu macht der goldene Oktober. Besonders strahlen wird er hof­fentlich für Julia Lüpfert, die am 18. Oktober als eines von 10 Startups mit Julinga auf der großen Bühne des Entre­pre­neurship Summit in Berlin durch­starten wird.
Julia? Startup? Entre­pre­neurin? Kommt euch bekannt vor? Sehr gut aufgepasst!

In den letzten Jahren habt ihr viel von Julia in den regio­nalen und über­re­gio­nalen Medien gelesen, sie viel­leicht auf der einen oder anderen Bühne gesehen. Ihre Pro­dukte auf jeden Fall. Als Grün­derin und Geschäfts­füh­rerin der LAVIU GmbH belebte sie jah­relang die Startupszene.
2018 war der Traum aus­ge­träumt, dem Team um Julia ging der Atem aus. Insolvenz, Selbst­zweifel, Per­spek­tiv­lo­sigkeit. Das einzig Positive in diesem Moment neben der kleinen Familie: der Schwan­ger­schaftstest in ihrer Hand.

 

Liebe Julia, das war vor ziemlich genau einem Jahr. Jeder andere (inklusive mir) hätte sich sicher im Ost­seesand ein­ge­graben und wäre nie wieder raus­ge­kommen. Wie ging deine Geschichte weiter?

Ein paar Tage Ost­see­strand habe ich tat­sächlich gebraucht, um alles zu rea­li­sieren. In dem ganzen Trubel der Insolvenz habe ich ja auch gehei­ratet und meinen Namen geändert. Außerdem war ich ein zweites Mal schwanger. Also hat sich gefühlt mein gesamtes Leben umge­krempelt. Mein Tages­inhalt als Geschäfts­füh­rerin fiel weg, da man mit der Insol­venz­eröffnung als Geschäfts­füh­rerin von einem auf den anderen Tag kei­nerlei Befug­nisse mehr hat. Dass ich auch noch einen neuen Nach­namen hatte, fühlte sich plötzlich richtig sym­bo­lisch für ein neues Leben an.
Das einzige was ich wusste, war, dass ich wieder gründen werde. Ich bin einfach nicht für ein Ange­stell­ten­ver­hältnis gemacht. Ich liebe die Freiheit, ein Unter­nehmen ganz allein nach meinen eigenen Vor­stel­lungen zu gestalten und ich scheue die Ver­ant­wortung nicht. Denn wenn ich aus der Insolvenz etwas gelernt habe, dann dass ich überlebe und dass es weitergeht.
Ich habe mir ein paar Monate Zeit genommen und mich auf die Suche in mir selbst begeben. Ich habe eine Mas­ter­class von Prof. Faltin (FU Berlin) mit­ge­macht und ver­schiedene Online­kurse durch­forstet. Immer mit den Fragen – Wer bin ich? Was ist mein Wert für diese Welt? Und in welcher Form kann ich meinen Wert der Welt geben? Es war ein langer Prozess, aber jetzt bin ich unglaublich happy und stolz, Julinga auf die Straße zu bringen, denn es kommt wirklich aus meinem tiefsten Herzen.

 

Erzähl mir mehr von Julinga. Was ist das? Was kann es? Wer braucht es?

Das erste Spiel "Kompass durch dick und dünn"
Das erste Spiel “Kompass durch dick und dünn”

Mit Julinga geben wir Paaren spie­le­risch die Mög­lichkeit, ihre Beziehung zu reflek­tieren. Das erste Spiel, mit dem wir am 18. Oktober an den Start gehen werden, ist der Kompass durch dick und dünn. Es geht um Werte. Die eigenen und die der Beziehung. Über vier spie­le­rische Auf­gaben hinweg begibt man sich erstmal auf eine Reise zu den eigenen Werten und die des Partners. Gutes zuhören und das gemeinsame Aus­tau­schen bringen euch weiter, denn ihr spielt nicht gegen­ein­ander sondern sammelt gemeinsam Punkte. Am Ende wählt ihr auch was, wofür eure Part­ner­schaft steht, was ihr euren (evtl. zukünf­tigen) Kindern mit auf den Weg geben wollt und was euch als Paar aus­macht. Dadurch ent­steht ein Rahmen für ver­bin­dende Gespräche, die im Alltag oft fehlen.

Das zweite Produkt, das Laby­rinth der Klarheit, befindet sich aktuell noch in Test­schleifen und wird bis zur Markt­reife ver­feinert. Mit dem Laby­rinth zur Klarheit beleuchten Paare Fragen, die beide immer wieder beschäf­tigen. Mit Spiel­fi­guren durch­laufen sie sieben Per­spek­tiven und beant­worten sich gegen­seitig Fragen, um das Problem zum Bei­spiel objektiv, emo­tional oder kreativ zu betrachten. Der Blick auf die Fra­ge­stellung wird klar. Der Mark­start ist für Ende des Jahres geplant.

Neben der Kraft, sich selbst wieder zu finden, nebenbei ein Baby aus­zu­tragen, eine neue Idee zu kre­ieren braucht es eines: Geld! Schon wenn es nur für Visi­ten­karten ist. Und wie wir dich kennen, wird es sich um hoch­wertige Pro­dukte handeln. Wie finan­zierst du deine Idee(n)?
Neben der Ideen­sammlung, Produkt- und Kon­zept­ent­wicklung für Julinga arbeite ich als Bera­terin für Grün­de­rInnen und helfe ihnen dabei, ihre Ideen zum Fliegen zu bringen. Warum sollen andere nicht von meinen Erfah­rungen pro­fi­tieren? Neben der Stra­te­gie­ent­wicklung für ver­schiedene Phasen im Lebenslauf des Unter­nehmens unter­stütze ich sie dabei, Stol­per­steine auf dem Weg zum Startup früh­zeitig zu erkennen und zu umschiffen bzw. direkt zu ver­meiden. Ich weiß was Inves­toren hören wollen und wie sie es hören wollen und habe umfas­sende Erfah­rungen im Crowd­funding gesammelt. Alles Themen, zu denen ich Vor­träge halte, Work­shops anbiete und auch im Ein­zel­ge­spräch berate. Gerade bei der Vor­be­reitung von kri­ti­schen Gesprächen, wie Ver­hand­lungen mit Inves­toren oder Lie­fe­ranten, sind sich Grün­de­rInnen durch feh­lende Erfahrung unsicher. Ich merke, wie hilf­reich die Gespräche für sie sind und gebe meine Expertise guten Gewissens weiter, denn LAVIU ist ja letzt­endlich an tech­ni­schen Pro­blemen gescheitert, nicht an Unter­neh­mens­aufbau, Führung, Finan­zierung oder Mar­keting und PR.

Wo siehst du dich und Julinga in 5 Jahren?

Schicke Spiele: Corporate Identity aus einer Hand
Schicke Spiele: Cor­porate Identity aus einer Hand

Julinga wird eine Reihe von Spielen, also nach den ersten beiden ist noch lange nicht Schluss. In meinem Kopf schwirren so viele Ideen. Bis jetzt gibt es nur Kar­ten­spiele von Paaren mit Fragen, die man sich gegen­seitig beant­wortet, ich finde es aber viel span­nender kon­krete Themen spie­le­risch anzu­gehen. Nach Kompass durch dick und dünn zum finden gemein­samer Werte, kommt das Laby­rinth zur Klarheit zur gemein­samen Ent­schei­dungs­findung, aber auch Themen wie gemeinsame Geld­stra­tegie, Wert­schätzung zeigen oder Ver­ant­wor­tungen des Alltags ver­teilen habe ich im Blick.
In den nächsten 5 Jahren wird also eine ganze Welt von Spielen um Julinga ent­stehen. Außerdem will ich meine Ver­triebswege aus­bauen. Zunächst geht jetzt mein eigener Onlineshop an den Start, als nächstes sollen die Spiele den Weg in den sta­tio­nären Handel finden, ich biete aber auch Firmen die Spiele als Kun­den­ge­schenk in großen Stück­zahlen und mit eigenem Branding an. Welche Ideen in 5 Jahren noch dazu kommen, kann ich nicht sagen, ich gehe immer mit offenen Augen durch die Welt und such mir aus, was zu mir passt. Was mir gefällt, wird gemacht.

Welche Tipps hast du für die Gründer von heute und morgen?
Nicht so viel nach­denken. Einfach machen. Lean bleiben und von den Kunden lernen. Ein nach­hal­tiges Netzwerk auf­bauen, das im Zweifel auch nach einem Fail zu euch steht. Dieses große Glück hatte ich. Wie wichtig diese Nach­hal­tigkeit in Kon­takten ist, das habe ich bei der Umsetzung von Julinga ganz stark spüren dürfen. 2016 war ich Gesicht der ersten Stunde bei der Kick-off-Runde der Begin­ne­rinnen, einem Netzwerk für Grün­de­rinnen aus dem Großraum Dresden, initiiert von dresden|exists. Von den Kon­takten, die ich in dieser tollen Runde ken­nen­lernen durfte, zehre ich noch heute. So lernte ich bei den Begin­ne­rinnen Laura kennen. Ich – Grün­derin mit Idee… Laura – freie Pro­dukt­ge­stal­terin. Und die Chemie stimmte sofort. Laura hat für Julinga die kom­plette Cor­porate Identity ent­wi­ckelt und mein erstes Produkt gestaltet. Und das alles in abso­luter Rekordzeit.

Wer glaubt an dich und hat es immer getan?

Nähe durch Werte und Gemeinsamkeiten
Nähe durch Werte und Gemeinsamkeiten

Zunächst ist es wichtig, dass man selbst an sich glaubt. Ich habe das nicht immer getan. In schweren Momenten, dachte ich, ich habe nichts drauf, alles ist Mist, ich weiß nichts mit mir anzu­fangen. Aber mit dem Glauben in mich selbst, kam auch meine Kraft und Krea­ti­vität zurück! Also ohne den eigenen Glauben an sich selbst geht es nicht.
Daneben ist mein Mann mein größter Fan und der, der schon an meine Idee glaubt, bevor ich sie eigentlich habe. Das liegt sicher auch an unserer erfül­lenden Part­ner­schaft, die ich so jedem von Herzen wünsche.
Durch die Zeit mit LAVIU habe ich viele tolle Men­schen aus der Grün­der­szene ken­nen­ge­lernt und bin mit vielen gut befreundet. Freund­schaft endet ja zum Glück nicht mit dem Startup und die, die mich kennen, wissen auch um meine Fähig­keiten und glauben an mich und meine Ideen.

Und wie geht’s jetzt konkret weiter für dich und Julinga?
Uns ist es gelungen, uns mit Julinga als eines von nur 10 Startups bun­desweit beim dies­jäh­rigen Entre­pre­neurship Summit zu plat­zieren. Beim Proof-of-Concept Contest heißt es: Umsatz gene­rieren! Denn wer in den ersten 48 Stunden ab Markt­start am 18. Oktober die meisten Umsätze fährt, gewinnt. Dafür gibt’s auch einen ver­güns­tigten Start­preis von 29€, danach kostet ein Spiel im Onlineshop 35€.
Wer wissen will, wie dieses Märchen von einer, die auszog um zu gründen, wei­tergeht, hat die Chance, dies zu tun. Wie? Ganz einfach: Auf www.julinga.de oder über www.facebook.de/julingaspiele bleibst Du auf dem Lau­fenden zu Pro­dukten, Ent­wick­lungen, Marktstart.

Liebe Julia, vielen Dank für dieses erfri­schende Interview. Wir wün­schen Dir und Julinga einen gelun­genen Markt­start und dass du ganz vorn mit dabei bist beim Entre­pre­neurship Summit in Berlin!

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