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Vom Infor­ma­tik­studium zur eigenen App-Agentur: Cathleen Scharfe von herz­di­gital über ihren Weg zum eigenen Unternehmen

Cathleen Scharfe hat an der HTW Dresden, an der Fakultät Infor­matik stu­diert und ist mit Unter­stützung der Grün­dungs­schmiede 2017 in die beruf­liche Selb­stän­digkeit gestartet. Heute ist sie mit ihrer App-Agentur herz­di­gital erfolg­reich am Markt und ist dieses Jahr für den Säch­si­schen Grün­de­rinnen-Preis nomi­niert. Ein toller Anlass, um mit ihr noch einmal über ihren Grün­dungsweg und ihre Erfah­rungen als Grün­derin zu sprechen.

Was genau ist dein Business?

herz­di­gital ist eine App Agentur mit Spe­zia­li­sierung auf den Gesund­heits­markt. Wir sehen uns als Schnitt­stelle zwi­schen dem Gesund­heits­sektor und der IT und bieten als Full-Service Agentur die kom­plette Platte von der Ideen­ent­wicklung über die Pro­gram­mierung bis hin zum Release neuer Health Apps. Zu unseren Kund:innen zählen eHealth Startups, KMU im Bereich Medi­zin­technik, sowie Therapeut:innen und Forschungseinrichtungen.

Was waren bisher deine größten Erfolge? Was macht dich besonders stolz?

Wir haben Anfang 2021 gemeinsam mit dem Startup Lingo Lab eine Logo­pädie-App ent­wi­ckelt, die Patient:innen bei der Ver­bes­serung ihrer Sprach­fä­higkeit unter­stützt. Für diese App gibt es jetzt eine erste Studie, die zeigt, dass die Nutzer:innen deut­liche Fort­schritte in ihrer Sprach­fä­higkeit machen und sehr dankbar sind, dass es diese App gibt. Ich bin wirklich froh, dass wir mit Apps wie dieser, so vielen Men­schen helfen können. Diese Erfolge zeigen mir, dass ich das richtige tue und dass sich die ganze Arbeit lohnt. 

Aktuell bist du für den Säch­si­schen Grün­de­rinnen-Preis 2021 nomi­niert. Herz­lichen Glück­wunsch! Was hat dich dazu bewogen, eine Bewerbung einzureichen?

Ein Kollege aus der Startup-Szene hat mir schon nach dem ersten Jahr meiner Selbst­stän­digkeit immer wieder gesagt: „Bewirb dich doch mal!“ Als Frei­be­ruf­lerin hatte ich immer das Gefühl nicht genug vor­weisen zu können. Doch mit herz­di­gital haben wir in den letzten zwei Jahren viel erreicht. Ich freue ich mich, das mit der Welt zu teilen und mich nicht länger zu ver­stecken. Ein Phä­nomen was ja bei vielen Frauen der Fall ist, weshalb es auch solche Wett­be­werbe gibt.

Und nun nochmal zurück zum Anfang: Was hat dich ursprünglich zum Gründen bewegt und wie war dein Weg vom HTW-Studium zur Inha­berin einer App-Agentur?

Ich habe an der HTW Medi­en­in­for­matik im Bachelor und anschließend ange­wandte Infor­ma­ti­ons­tech­no­logien im Master stu­diert und mir nach meinem Abschluss 2016 erstmal einen Job gesucht. Während der Anstellung habe ich mit einigen Free­lancern zusam­men­ge­ar­beitet und fest­ge­stellt, dass mir diese freie, unab­hängige Arbeits­weise sehr gefällt. So habe ich beschlossen mich zunächst neben­be­ruflich und dann kom­plett als Frei­be­ruf­lerin selbst­ständig zu machen. Nach gut zwei Jahren folgte dann der nächste Schritt. Ich wollte nicht mehr länger nur ein Teil eines Pro­jekts sein, sondern die Ent­wicklung von Apps kom­plett von A‑Z begleiten, selbst ent­scheiden, woran ich arbeite und wofür ich meine Zeit und Energie am sinn­vollsten inves­tiere, um auch einen echten Wert für die Gesell­schaft zu schaffen. Das hat 2019 schluss­endlich zur Gründung von herz­di­gital geführt.

Cathleen Scharfe, Grün­derin und CEO von herzdigital

Wo hast du dir in dieser Zeit Unter­stützung geholt und welche?

Als der Plan für meine Selb­stän­digkeit stand, bin ich zurück in die Grün­dungs­schmiede der HTW. Bis dahin wusste ich nicht, dass nicht nur Stu­die­rende, sondern auch Alumni das Angebot der Ein­richtung nutzen können. Ich habe dort für zwei Jahre mein eigenes, kos­ten­freies Büro bezogen, bin Teil eines Netz­werks mit tollen Gründer:innen geworden und habe mir pro­fes­sio­nelle Grün­dungs­be­ratung von den Startup-Coaches geholt. Finan­ziell hat mir damals der Grün­dungs­zu­schuss der Agentur für Arbeit sehr geholfen. Aber heute gibt es ja eine riesige Platte an För­der­pro­grammen für junge Gründer:innen.

Welche Vorzüge bietet dir deine Selbständigkeit?

Zual­lererst einmal die Fle­xi­bi­lität, meine Arbeitszeit und meinen Arbeitsort frei zu wählen und meinen Tages­ablauf so zu struk­tu­rieren, wie er zur mir passt. So kann ich meine Energie und Potential best­möglich nutzen. Ich kann mir die Pro­jekte wählen, die mir gefallen und in die ich mein Herzblut stecken will.

Natürlich ist nicht immer alles einfach. Sein Arbeits­leben so frei gestalten zu können, kann mit­unter auch sehr her­aus­for­dernd sein, aber ich bin per­sönlich unheimlich daran gewachsen.

Im eigenen Büro - die Gründerin von H

Rück­bli­ckend, was waren deine größten Her­aus­for­de­rungen auf dem Weg in die Selbst­stän­digkeit und wie hast du sie bewältigt?

Zu Beginn musste erst einmal grund­legend mit dem Thema Steuern und Finanzen aus­ein­an­der­setzen. Wenn man sich aber recht­zeitig Hilfe und Beratung nimmt, dann merkt man schnell, dass dieses – wie auch die meisten Her­aus­for­de­rungen auf dem Weg in die Selbst­stän­digkeit – kein Hexenwerk, sondern mit etwas Geduld, Ver­stand und Zuver­sicht zu meistern ist.

Da ich meinen Arbeits­alltag selbst gestalten kann, muss ich natürlich auch alle Ent­schei­dungen selbst treffen und ständig das Für und Wider abwägen. Es gibt eben keine vor­ge­gebene Struktur oder einen Leit­faden, so wie in einer Anstellung. Das bedeutet eine Menge Ver­ant­wortung für einen selbst und natürlich auch für die Mitarbeiter.

Hast du noch einen Tipp für junge Gründer:innen und noch einen spe­zi­ellen Tipp für Gründerinnen?

Nutzt die Unter­stüt­zungs- und För­der­mög­lich­keiten, die euch vor allem in der Start­phase eurer Gründung geboten werden. Nutz Bera­tungs­an­gebote, so wie das der Grün­dungs­schmiede. Ver­netzt euch mit anderen Gründer:innen, tauscht euch aus und lernt von­ein­ander. All das hat mir per­sönlich sehr geholfen. Und an alle Frauen natürlich: ver­traut in eure Fähig­keiten, werdet sichtbar und folgt eurem Herzen!

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