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Wenn guter Rat (nicht) teuer ist – Ein Rück­blick auf das 45. Gründerfoyer

Über 350 junge, grün­dungs­in­ter­es­sierte Men­schen zog es am 3. November in das Hör­saal­zentrum der TU Dresden. Bereits zum 45. Mal bot das Grün­der­foyer die Gele­genheit, sich einen Abend lang rund um das Startup-Thema aus­zu­tau­schen, gemeinsam Ideen zu ent­wi­ckeln und – natürlich ganz nach unserem Motto – von den Großen zu lernen.

Let’s get ready to pitch

Bereits in seiner Begrüßung machte Dr. Frank Pan­kotsch, Geschäfts­führer von dresden|exists, Stu­die­renden Mut, Ergeb­nisse aus dem eigenen Studium für ihr Startup zu nutzen. Vier Startups, die diesen Weg mit Unter­stütung von dresden|exists bereits gehen, gehörte zu Beginn das Podium. Sie stellten ihre Geschäftsidee mit viel Witz und Charme in etwa zwei Minuten dar.

Prof. Dr. Michael Schefczyk im Gespräch mit Karl Matthäus Schmidt
Prof. Dr. Michael Schefczyk im Gespräch mit Karl Mat­thäus Schmidt (Foto: Robert Gebler)

Aus allen Perspektiven
Prof. Michael Schefczyk war stolz, mit unserem dies­jäh­rigen Haupt­re­fe­renten Karl Mat­thäus Schmidt „ein wei­teres Por­trait in der Galerie erfolg­reicher Gründer“ auf­nehmen zu dürfen. Im Laufe der Jahre machte Schmidt  alles durch, was man als Unter­nehmer erleben kann – von der Gründung bis zum Bör­sengang, aber auch den Verlust eines Geschäftes.

Par­allel zur väter­lichen SchmidtBank, die seit Genera­tionen von der Familie geführt wurde, gründete der damalige BWL-Student Schmidt den Online-Dis­count-Broker Consors. Die Idee dafür ent­wi­ckelte er zusammen mit Kom­mi­li­tonen am Lehr­stuhl für Bank– und Bör­sen­wesen. Durch sein Unter­nehmen setzte er einen völlig neuen Fokus. Bis dahin gab es nur Direkt­banken, der Kun­den­kontakt erfolgte über Call­center. Schmidt wurde mit den neuen Online-Tech­no­logien zum Pionier in der Finanz­branche, consors wuchs innerhalb kurzer Zeit stark. Der Bör­sengang wenige Jahre später brachte zwar viel Stress mit sich, doch das war es wert. Seine Idee vor Inves­toren in den ver­schie­densten Ländern zu pitchen, war für den jungen Gründer eine ein­zig­artige Erfahrung, an die er gern zurückdenkt.

Hauptreferent Karl Matthäus Schmidt, Gründer und Vorstandsvorsitzender der quirin bank AG aus Berlin
Haupt­re­ferent Karl Mat­thäus Schmidt, Gründer und Vor­stands­vor­sit­zender der quirin bank AG aus Berlin (Foto: Robert Gebler)

Kurz darauf änderte sich das Umfeld dra­ma­tisch: Die damalige Wirt­schafts­krise ließ die Umsätze von consors ein­brechen und zwang den Unter­nehmer, Mit­ar­beiter zu ent­lassen und seine Bank zu ver­kaufen. Heute gibt es Consors noch, aller­dings unter einem anderen Namen und mit einem neuen Eigen­tümer. Doch nur ange­stellt sein wollte Karl Mat­thäus Schmidt nicht und so stieg er aus. Von etwas los­zu­lassen, das man auf­gebaut hat, ist nicht einfach. Und wei­ter­zu­machen auf keinen Fall selbst­ver­ständlich. Doch Schmidt gründete die neue quirin bank AG, mit der er bis heute immer wieder Erfolge ver­zeichnen kann. Seine Devise: dem Kunden helfen, das Geld zu ver­mehren – nicht zu verringern.

Beson­derheit Finanzbranche
Inzwi­schen hat er das Geschäfts­modell erweitert: das Konzept der neuen Tochter quirion gleicht einem digi­talen Anla­ge­be­rater. Karl Mat­thäus Schmidt geht dabei mit dem Trend der Technik. In einigen Jahren werden etwa 30 Prozent des Bera­tungs­marktes rein digital sein. Damit sollen ver­mehrt auch junge Leute oder Startups ange­sprochen werden. Wie die Rolle der Banken in Zukunft aus­sieht, weiß zwar keiner. Fakt ist aber, dass die zuneh­mende Digi­ta­li­sierung und ver­altete Tech­no­logien die Finanz­in­dustrie vor große Her­aus­for­de­rungen stellt. Erste Ent­wick­lungen sind bei­spiels­weise an PayPal zu erkennen. Den Kontakt zum Kunden über­nehmen mehr und mehr Online­platt­formen oder „Inter­net­multis“ wie Google. Die Bedeutung von Apps steigt immer mehr. Banken arbeiten zunehmend nur noch im Hin­ter­grund. Sie fun­gieren sozu­sagen als „Maschi­nenraum“ und müssen sich spe­zia­li­sieren, dem Kunden einen Mehrwert schaffen, um kon­kur­renz­fähig zu bleiben.

Viele Branchen sind in Deutschland über­re­gu­liert, vor allem auch das Ban­ken­ge­schäft. Damit ist Gründen oft eine schwere Ange­le­genheit. Karl Mat­thäus Schmidt appel­lierte, sich von der Büro­kratie jedoch kei­nes­falls auf­halten zu lassen. Regu­lation hat nämlich auch einen Vorteil: der Markt ist etwas behä­biger und mit einer guten Idee kann man ihn leicht auf­mi­schen. Wichtig sind weniger die Region, in der das Unter­nehmen liegt oder die Nähe zu den großen Kon­kur­renten. Viel ent­schei­dender ist es, immer kon­se­quent vom Kunden und seinen indi­vi­du­ellen Bedürf­nissen aus zu denken. Denn eines steht fest: an der Börse sind es nicht die Riesen, sondern die kleinen und mit­tel­stän­di­schen Unter­nehmen, die letzt­endlich die Werte schaffen. Dass er damit aus dem Herzen vieler Besucher sprach, zeigte das all­ge­meine zustim­mende Bänkeklopfen.

Die Besucher lauschen im gut gefüllten Hörsaal gespannt den Vorträgen.
Die Besucher lau­schen im gut gefüllten Hörsaal gespannt den Vor­trägen. (Foto: Robert Gebler)

Abschließend hat Karl Mat­thäus Schmidt natürlich auch ein paar Tipps für junge Gründer parat. Er moti­vierte dazu, auch schon während dem Studium durch­zu­starten. Ist einmal eine gute Idee geboren, sollte man sich nicht vor der Ver­ant­wortung fürchten. Denn obwohl es oft anstrengend ist, Träume und Ideen umzu­setzen wirkt wie eine Droge. Die gewon­nenen Erfah­rungen, ob positiv oder negativ, sind es allemal wert.

Damit Gründen nicht zum Rodeo wird
Ihr möchtet auch eine Grün­dungsidee umsetzen und sucht noch erfahrene Partner? Oder ihr steht schon mit einem Unter­nehmen in den Start­lö­chern, aber es fehlt noch der letzte Schliff? Egal, an welcher Stelle ihr steht, zusammen mit den dresden|exists bleibt ihr während allen Phasen der Gründung fest im Sattel.

Viele Grün­dungs­in­ter­es­sierte nutzten bereits vor Ort die Gele­genheit, mit dresden|exists, aktu­ellen Startups oder unseren Grün­dungs­partnern von Kapi­tal­gebern über die die IHK und Wirt­schafts­för­derung bis hin zum Finanzamt ins Gespräch zu kommen.

Im Video gibt es einen kleinen Ein­blick in die Atmo­sphäre des Abends:

https://vimeo.com/193501348

Ihr habt auch eine tolle Gründungsidee?

Infor­miert euch auf www.dresden-exists.de über mög­liche Pro­gramme wie das EXIST Grün­dungs­sti­pendium oder das delta³ Inku­ba­ti­ons­pro­gramm. Auf flickr haben wir für Euch die schönsten Bilder des 45. Grün­der­foyers hochgeladen.

Wir sagen Danke an unsere Spon­soren, die Ost­säch­sische Spar­kasse Dresden, die Brauerei Rechenberg und die vielen hel­fenden Hände. Es war wieder ein groß­ar­tiger Abend und wir freuen uns auf das nächste Jahr!

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