Gründerportrait #63: LineUpr – Mobile Event-Guides einfach selbst erstellen

Dir Gründer von LineUpr: Norbert Sroke, Philipp Katz und Eric Mischke. (Foto: LineUpr

Die Gründer von LineUpr: Norbert Sroke, Philipp Katz und Eric Mischke. (Foto: LineUpr)

Nervt es euch auch, wenn ihr mit dem Smartphone Informationen zu Veranstaltungen sucht und auf nicht optimierte Seiten stoßt? Eine Lösung für Event-Anbieter haben die Gründer von LineUpr entwickelt. Im Frühjahr 2016 haben die beiden Medieninformatiker Philipp Katz und Norbert Sroke und der Wirtschaftswissenschaftler Eric Mischke nun ihr eigenes Unternehmen gegründet. Über ihre Gründung und ihre Erfahrungen im Axel Springer Plug and Play Accelerator berichten sie uns im Interview.

 

Worum geht es bei eurer Geschäftsidee?

LineUpr ist die einfachste Do-It-Yourself-Plattform, um eine mobile Event-App zu erstellen. Die App enthält den zeitlichen Programmablauf des Events, auftretende Dozenten oder Künstler, Sponsoren und Locations. Der Veranstalter kann die App stets aktuell halten, Nachrichten an seine Gäste schicken und Feedback gewinnen.

Das Herz von LineUpr ist ein intuitives Content-Management-System, mit dem die Erstellung schnell und einfach von der Hand geht. Abhängig vom Umfang der Veranstaltung kann so bereits in einer halben Stunde eine App erstellt und veröffentlicht werden. Bisherige Lösungen in diesem Umfeld richten sich nur an Events mit großem Marketingbudget – wir möchten mit LineUpr nun aber jedem Event – angefangen von kleineren Kulturevents bis hin zu großen Corporate-Veranstaltungen – die Möglichkeit geben, sich interaktiv mobil zu präsentieren.

 

Wie entstand die Idee und wann habt ihr entschieden sie auch umzusetzen? Stand es für euch von Anfang an fest, darauf aufbauend ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Norbert stand mal vor einem Plakat eines kleinen lokalen Musikfestivals. Das sah sehr interessant aus, aber er kannte die meisten Künstler nicht. Der QR-Code auf dem Plakat leitete bloß auf eine konventionelle Website, die nicht für die mobile Nutzung optimiert war und nicht dazu einlud, mehr über das Event zu erfahren. So entstand die Idee für eine Plattform, mit der Events ganz einfach präsentiert werden können – optimal nutzbar auf Mobilgeräten und ohne zeitraubende Downloads. Wir sind nicht die ersten und einzigen mit einer solchen Idee, aber wir haben schnell gesehen, dass bisherige Lösungen teuer und kompliziert sind und deshalb nur einen minimalen Anteil des Marktes ansprechen. Deshalb stand das Ziel, ein eigenes Unternehmen zu gründen, schnell fest: Wir wollen ein Produkt schaffen, das durch seinen Preis und seine Nutzerfreundlichkeit jeden Veranstalter anspricht, vor allem auch solche mit kleineren und mittelgroßen Events.

 

Was waren die drei größten Herausforderungen auf dem Weg in die Selbstständigkeit und wie habt ihr sie bewältigt?

Eine große Herausforderung ist die finanzielle Unsicherheit. Bei einer Softwareplattform muss erst einmal viel Zeit in die Entwicklung investiert werden. Nachdem unser Minimalprodukt stand, wollten wir die weiteren Funktionen direkt am Kunden, bei uns also an realen Veranstaltungen, entwickeln. Die Konsequenz daraus ist, dass man lange kein Geld für sein Produkt verlangen kann, trotzdem Testkunden akquirieren muss und daher in großer finanzieller Unsicherheit lebt. Ein Stipendium wie von EXIST ist dabei enorm hilfreich.

Die nächste Herausforderung ist die Bürokratie, die mit einer Unternehmensgründung verbunden ist. Welche Rechtsform wählt man? Was für Verträge werden benötigt? Wann gründet man und wie sind die Rollen im Team verteilt? Von vielen Experten und aus dem Umfeld hört man oftmals unterschiedlichste Ratschläge und während viele Aspekte wohlüberlegt sein müssen, sollte man stets dahinter her sein, Entscheidungen selbst zu treffen und Worten zügig Taten folgen zu lassen.

Ferner hält natürlich auch der Alltag immer gerne seine großen und kleinen Tücken bereit – in unserem Fall zum Beispiel ein neues Büro, in dem wir fast zwei Monate keinen funktionierenden Telefon- und Internetanschluss hatten, weil der angekündigte Techniker einfach nie aufkreuzte. Die richtige Mischung aus Gelassenheit und Improvisationstalent sind in solchen Fällen gut für den Blutdruck.

 

Mit LineUpr kann sich jeder ganz unkompliziert selbst eine Event-App erstellen. (Foto: LineUpr)

Mit LineUpr kann sich jeder ganz unkompliziert eine Event-App erstellen. (Foto: LineUpr)

Was macht Euch besonders stolz?

Das Tollste ist einfach zu sehen, wie andere unser Produkt verwenden und Spaß daran haben – sowohl große Events von Rang und Namen als auch kleinere, bei denen die Veranstalter mit viel Idealismus zur Sache gehen. Wir verzichten bislang auf umfangreiche Tutorials und Anleitungen und verbessern die Usability unserer Plattform kontinuierlich. Wenn sich dann zeigt, dass die überwiegende Anzahl der bisherigen Nutzer nicht nur ein einziges Event bei uns erstellt, sondern so überzeugt ist, die Lösung auch bei zukünftigen Events zu nutzen, ist das für uns die beste Motivation, täglich am Ball zu bleiben.

 

Welche Unterstützung hat euch in der Gründungsphase besonders geholfen? Welche Bedeutung hatte das EXIST-Gründerstipendium?

Wie schon erwähnt ist die finanzielle Unsicherheit eines der größten Anfangsprobleme. Wenn man gerade mit dem Studium fertig ist bzw. bereits im Berufsleben steht und eine Familie versorgt, ist es schwierig zu sagen, man arbeitet jetzt ein Jahr ohne Gehalt und lebt von den eigenen Ersparnissen. Das EXIST-Gründerstipendium gibt in dieser Zeit eine wichtige Sicherheit. Damit war der eigene Lebensunterhalt gesichert und man konnte sich voll auf die Entwicklung des Produkts konzentrieren. Rückblickend betrachtet hätten wir LineUpr ohne die EXIST-Unterstützung vielleicht nie umgesetzt.

Dazu kommt die intensive Betreuung von Dresden Exists und insbesondere von Kathrin Kahle. Sie stand uns während der Phase, in der wir an den notwendigen Dokumenten für die Antragstellung gearbeitet haben stets mit Feedback zur Seite, hat uns geholfen bürokratische Hürden zu umschiffen und hat auch nach unserem erfolgreichen Start viele wertvolle Connections zu den richtigen Leuten initiiert. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an das ganze Team von Dresden Exists, ohne dessen Unterstützung wir jetzt ganz sicher nicht an dieser Stelle wären, wo wir jetzt sind!

 

Ihr habt Anfang des Jahres am Axel Springer Plug and Play Accelerator-Programm teilgenommen. Mit welchen Erwartungen seid ihr in das Programm gestartet? Was habt ihr daraus mitgenommen?

Zu Beginn des Accelerator-Programms war die Entwicklung unseres Produkts bereits weit fortgeschritten und wir standen kurz vor dem öffentlichen Launch. In dieser Phase steht vor allem der Vertrieb im Vordergrund. Daher war unser Ziel während des dreimonatigen Berlin-Aufenthalts vor allem die Vergrößerung unseres Netzwerks – wir wollten möglichst viele Personen aus dem Eventumfeld kennenlernen, ihre Meinung zum Produkt hören und sie als Kunden gewinnen.

Dadurch, dass man sich für eine Zeitlang aus der gewohnten Komfortzone in ein anderes Umfeld begibt, bekommt man ungeheuer viele frische Impulse und neue Perspektiven auf das eigene Produkt. Und durch regelmäßige Pitches und dem daraus mitgenommenen Feedback haben wir unsere Produktpräsentation noch mal ordentlich schärfen können. Rückblickend betrachtet war das Programm sehr gewinnbringend für uns und wir haben die Teilnahme zu keiner Zeit bereut.

Grundsätzlich raten wir allen interessierten Startups, sich vor einer Teilnahme an einem Accelerator-Programm genau über die eigenen Ziele klarzuwerden und diese dann dort konsequent zu verfolgen. Ein vorzeigbares Produkt und erste Traction erweisen sich ebenfalls als hilfreich, wenn man seine Idee überzeugend präsentieren möchte.

 

Welche Faktoren sind aus eurer Sicht für den Erfolg einer Gründung wichtig?

Da gibt es unzählige Faktoren, die eine Rolle spielen. Ein wichtiger Punkt ist die notwendige Portion Selbstbewusstsein, dass man an seine eigene Idee glaubt und diese auch permanent nach außen hin „lebt“.

Ein weiterer Faktor ist die Teamzusammensetzung. Im Gegensatz zu einem Angestelltenverhältnis geht man mit seinen Mitgründern eine Ehe auf Zeit ein – da muss die Chemie passen und der Wille vorhanden sein, auch schwierige Zeiten gemeinsam zu überbrücken. Und gerade in der Anfangsphase, sei es bei der Bewerbung auf Förderungen, bei der Teilnahme an erwähnten Accelerator-Programmen oder beim Kontakt mit Investoren spielt der Faktor „Team“ eine mindestens ebenso große Rolle wie die Idee oder das Produkt selbst.

 

lineupr-logo-squareWelche Erfahrungen/Tipps möchtet Ihr anderen Gründern mit auf den Weg geben?

Glaubt an eure Idee und erzählt jedem davon, egal ob er sie hören möchte oder nicht. Damit macht ihr den Zufall zu eurem Freund, da man immer mal jemand kennenlernt, der einem in der aktuellen Situation helfen kann. Und Startups sind selten Bilderbuchstorys, daher macht euch auch auf schlechte Zeiten gefasst. Hier gilt es weiterzumachen und das gesetzte Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Fokussiert euch voll auf euer Ziel und erliegt nicht der Verlockung, alles können und es jedem rechtmachen zu müssen.

 

Wo seht Ihr euer Unternehmen in 5 Jahren?

Wir möchten LineUpr als feste Marke im Bereich Event-Vermarktung etablieren – dazu möchten wir erreichen, dass vor allem auch für kleine und mittelgroße Events die mobile Vermarktung zur Selbstverständlichkeit wird. Wenn die Idee von unseren Nutzern als „das WordPress für Events“ oder der „digitale Ersatz für gedruckte Programmhefte“ aufgenommen wird, sind wir auf einem guten Weg. Zukünftig sehen wir uns nicht nur als reinen „App-Baukasten“ – einmalig im CMS vorhandene Inhalte können auch auf vielfältige andere Arten genutzt werden, beispielsweise für gezieltes Social-Media-Marketing, um nur mal ein naheliegendes Beispiel zu nennen.

 

Wir haben LineUpr natürlich selbst ausprobiert und sind begeistert! Daher gibt es auch das Gründerfoyer am 3. November 2016  demnächst wieder per App aufs Smartphone. Dafür vielen Dank an das Team von LineUpr!

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