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Grün­der­por­trait #62: NOVUM engi­neerING – für eine längere Lebens­dauer von Ben­n­stoff­zellen und Solaranlagen

Manchmal ent­stehen Inno­va­tionen ganz ohne kom­mer­zi­elles Interesse. In der Freizeit haben sich die Inge­nieure von NOVUM mit ver­schie­denen Ideen rund um das Thema Ener­gie­ge­winnung beschäftigt und neue Pro­dukte ent­wi­ckelt. Nach einem Jahr über­legen fällt doch die Ent­scheidung: acht Per­sonen, die sich teil­weise schon sehr lange kennen und aus unter­schied­lichen Bereichen aus Wis­sen­schaft und Wirt­schaft stammen, gründen gemeinsam ein Unter­nehmen. Wie es dazu gekommen ist und wo NOVUM inzwi­schen steht, darüber haben wir mit der Geschäfts­füh­rerin Mandy Schipke gesprochen.

Gründer von NOVUM
Die Gründer von NOVUM engi­neerING (v.li.): Marko Preusche, René Bremer, Ingolf Bachmann, Mandy Schipke, Falk Schröter, Jens Haupt und Sören Birth (Foto: Andreas Scheunert)

Worum geht es bei eurer Geschäftsidee? 

Wir bieten eine Kom­bi­nation aus Leis­tungs­elek­tronik und Echt­zeit­mo­ni­toring an. Überall da, wo Strom gewonnen oder genutzt werden soll, ist prin­zi­piell Leis­tungs­elek­tronik not­wendig, z.B. um elek­trische Energie ins Netz ein­zu­speisen oder in Bat­terien zu spei­chern. Da die Men­schen das seit etwa 100 Jahren machen, gibt es natürlich schon genug Spiel­arten der Leis­tungs­elek­tronik, die aber alle eines gemeinsam haben: Sie pro­du­zieren Stör­ströme (soge­nannte Rip­pel­ströme). Diese führen besonders bei emp­find­lichen Anwen­dungen wie Brenn­stoff­zellen oder Bat­terien dazu, dass die Systeme stö­rungs­an­fäl­liger werden und häufig aus­fallen. Sie sind dadurch kurz­le­biger, war­tungs­in­ten­siver und damit im Unterhalt viel teurer als sie es eigentlich müssten.

Die NOVUM Leis­tungs­elek­tronik arbeitet deshalb mit einer zum Patent ange­mel­deten Topo­logie, die 400 Mal weniger Rip­pel­ströme gene­riert als kon­ven­tio­nelle Leis­tungs­elek­tronik. Gerade in Kom­bi­nation mit erneu­er­baren Ener­gie­quellen sind dadurch viele Pro­bleme von vorn­herein ver­meidbar und um die unver­meid­baren kümmert sich dann unser Software- und Ser­vice­paket. Durch die kaum vor­han­denen  Rip­pel­ströme ist es nämlich möglich, ein umfas­sendes Moni­toring direkt in die Leis­tungs­elek­tronik zu inte­grieren. Bei vielen Formen der erneu­er­baren Energien können so während des Ener­gie­ge­win­nungs­pro­zesses auf­tre­tende Pro­bleme fest­ge­stellt, die Ursachen dia­gnos­ti­ziert und teil­weise auto­ma­tisch behoben werden. Sys­tem­aus­fälle, Ein­sätze von Ser­vice­tech­nikern und damit letztlich die Betriebs­kosten von Brenn­stoff­zel­len­sys­temen, Bat­terien oder Solar­an­lagen können so deutlich redu­ziert und deren Lebens­dauer gleich­zeitig ver­längert werden.

Wie ent­stand die Idee und wann habt ihr ent­schieden sie auch umzusetzen?

Die Inge­nieure unseres Teams kennen sich schon sehr lange und haben teil­weise auch zusammen in ver­schie­denen Dresdner Firmen gear­beitet. In klei­neren Frei­zeit­pro­jekten sind so immer mal wieder Neu­ent­wick­lungen ent­standen, die aus Spaß an Inno­vation und ohne kom­mer­zi­elles Interesse ent­wi­ckelt wurden – so auch der erste Entwurf eines rip­pel­freien Wech­sel­richters. Ent­wi­ckelt haben diesen  haupt­sächlich Sören Birth und Falk Schröter. Die Idee wurde dann gemeinsam dis­ku­tiert. Erst nach einem Jahr Markt­re­cherche sind wir zu dem Schluss gekommen, dass der poten­zielle Markt groß genug ist, um die Gründung einer eigenen Firma zu tragen. Am 14. April 2014  haben wir dann die NOVUM engi­nerING GmbH gegründet, mit dem festen Vorsatz, die Firma wieder zu beer­digen, wenn sie sich nach einem Jahr noch nicht selbst trägt. Das hat sie dann erfreu­li­cher­weise getan.

Was waren die größten Her­aus­for­de­rungen auf dem Weg in die Selbst­stän­digkeit und wie habt Ihr sie bewältigt?

Wir mussten die üblichen Stan­dard­fragen klären wie: Welche Gesell­schaftsform? Wer hält wie viele Anteile? Wie soll der Gesell­schafts­vertrag aus­sehen? usw. Doch dafür gibt es kein Patent­rezept und jedes Grün­derteam muss seinen eigenen Weg finden.

Die wirk­lichen Her­aus­for­de­rungen lau­erten eigentlich erst nach der Gründung – allen voran die Frage: Wo bekomme ich meinen Lebens­un­terhalt her? Man kann eigentlich gar nicht früh genug nach Kunden suchen und muss dabei trotzdem mit einer stän­digen Unsi­cherheit leben können. Das bedeutete gerade in den ersten Monaten eine Menge Mut und viele schlaflose Nächte, aber nach einer Weile gewöhnt man sich daran.

 

Das Team von Novum mit dem Sächsischen Wirtschaftsminister Martin Duhlig auf der Hannover Messe (Foto: Marek Bruns)
Das Team von NOVUM mit dem Säch­si­schen Wirt­schafts­mi­nister Martin Duhlig (1. Reihe, 2.v.li.) auf der Han­nover Messe. (Foto: Marek Bruns)

Was macht euch besonders stolz bzw. was waren bisher eure größten Erfolge?

Stolz ist eine gefähr­liche Sache, weil er dazu ver­leitet, sich auf den Erfolgen aus­zu­ruhen. Wir freuen uns zwar über die kleinen und großen Ereig­nisse auf dem Weg der NOVUM (wie die schwarzen Zahlen im ersten Jahr, Refe­renz­kunden wie Vorwerk und sunfire, aktuelle Leads wie Bosch, Daimler, Vaillant oder das Seedin­vestment des High Tech Grün­der­fonds), wissen aber auch, dass es im Geschäfts­leben keine Erfolgs­ga­rantien gibt. In diesem Sinne schauen wir eigentlich ganz selten zurück, sondern eher nach vorn.

Welche Unter­stützung hat euch in der Grün­dungs­phase besonders geholfen?

Wir haben bewusst ver­sucht, so viel wie möglich aus eigener Kraft zu schaffen und auf viele externe Hilfen – wie ein Grün­dersti­pendium – ver­zichtet. Früher oder später muss man sich ja ohnehin selbst am Markt behaupten. Das bedeutet nicht, dass man sich keinen externen Rat ein­holen soll. Im Gegenteil. Niemand weiß alles oder denkt an alles und man braucht auch Anre­gungen von außen, um die eigene Idee weiter zu ent­wi­ckeln. dresden|exists ist hier sicherlich ein guter erster Anlaufpunkt.

In der Vor­grün­dungs­phase kann das Team aller­dings lernen, beruflich, orga­ni­sa­to­risch und auch unter Druck zusammen zu arbeiten. Wenn man diese Phase quasi „aus sich heraus“ bewältigt, hat man die erste Feu­er­probe bereits hinter sich und startet als ein­ge­spieltes Team.

Welche Fak­toren sind aus eurer Sicht für den Erfolg einer Exis­tenz­gründung wichtig? 

Eine Existenz erfolg­reich zu gründen, ist ein for­maler Akt, der mit einem Notar­termin abge­schlossen ist. Ob daraus ein erfolg­reiches Unter­nehmen wird, hängt von ver­schie­denen Fak­toren ab: in erster Linie wahr­scheinlich vom Team und erst dann von der Idee. Die beste Idee bringt nämlich über­haupt nichts, wenn man kein Team hat, das diese in den Markt bringen kann.

Gute cha­rak­ter­liche Vor­aus­set­zungen sind aus unserer Sicht

  • Neugier auf bisher Unbekanntes
  • die Moti­vation sich ständig zu verbessern
  • Selbst­kritik und Kritikfähigkeit
  • Acht­samkeit vor den Erfah­rungen anderer (= Grundlage eines guten Netzwerks)
  • die Fähigkeit sich eine eigene Meinung zu bilden, diese auch mal gegen Wider­stände durch­zu­setzen und dabei trotzdem offen für bessere Argu­mente zu bleiben

Ob diese Eigen­schaften wirklich erfolg­reich machen, können wir natürlich noch nicht beur­teilen. Wir fahren bislang aber ganz gut damit.

Gleichstromsteller von Novum engineerING (Foto: Andreas Scheunert)
Der NOVUM Gleich­strom­steller mit inte­grierter Impe­danz­analyse (Foto: Andreas Scheunert)

Welche Tipps möchtet ihr anderen Gründern mit auf den Weg geben?

Die harte Rea­lität ist: Niemand da draußen hat auf die eigene Idee gewartet – egal wie gut sie ist. Ihr müsst täglich Men­schen davon über­zeugen, Kunden gewinnen und Kon­kur­renten aus­stechen. Das ist ein Marathon, den man nur durch­halten kann, wenn man sich dessen schon vor der Gründung bewusst ist. D.h. gründet nur dann, wenn es trotzdem euer innerster Wunsch ist!

Das Team: Überlegt euch gut, ob ihr gut genug auf­ge­stellt seid, um eure Idee umzu­setzen oder ob noch Kom­pe­tenzen im Team gebraucht werden. Fal­scher Stolz an dieser Stelle rächt sich später.

Über­leben im Hai­fisch­becken: Holt euch so viele externe Mei­nungen wie möglich ein und bildet euch dann eure eigene! Steht zu euren Ent­schei­dungen. Eine falsche Ent­scheidung ist besser als gar keine und bietet das Potenzial aus seinen eigenen Fehlern zu lernen. Freut euch über posi­tives Feedback und warme Worte, aber traut ihnen immer nur zu 50%. Die anderen 50% sind Höf­lichkeit. Haltet immer Augen und Ohren offen für Kritik und Kundenfeedback.

Wie sieht bei euch im Moment ein üblicher Arbeitstag aus? 

Der Arbeitstag gestaltet sich für uns alle ziemlich unter­schiedlich. Die Ent­wickler sind gerade dabei, einen Pro­to­typen fer­tig­zu­stellen, damit wir den am Kun­den­system testen können. Dabei ärgert man sich gern mal über Lie­fer­verzug bei Lie­fe­ranten und jon­gliert mit dem Pro­jekt­ma­nagement, um den eigenen Zeitplan trotzdem zu halten.

Ich bin eigentlich per­manent außer Haus bei poten­zi­ellen Kunden und kümmere mich nebenbei um das Netzwerk und die Finanzen der Firma. Außerdem sprechen wir gerade viel mit poten­zi­ellen Inves­toren, um einen Pool von Busi­ness­angels für ein Side-Investment von 200.000 Euro zu bilden. Wichtig ist uns hier, Partner zu finden, die uns mit ihren Ideen und Erfah­rungen weiter bringen. Sollte sich an dieser Stelle jemand ange­sprochen fühlen, bitte gern mailen an: m.schipke@novum-engineering.com. Inter­es­sierte Diplo­manden oder Masterarbeitskandidaten/innen aus den Bereichen Hard- oder Soft­war­ent­wicklung können sich eben­falls gern bei uns melden.

Wo seht Ihr euer Unter­nehmen in 5 Jahren?

Hof­fentlich immer noch im Han­dels­re­gister aber so wie es im Moment läuft, sind wir da ganz zuver­sichtlich. Alles Andere wird die Zeit zeigen.

 

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