Gründerportrait #54: Lipotype – Lipidomics for a better life

Ob bei der Diagnose von Krankheiten oder der Entwicklung von Functional Food und Kosmetika – Lipotype hat ein Ziel. Mit seiner neuartigen Technologie zur Analyse von Blutfetten will das junge Unternehmen Antworten auf die Frage geben, wie Menschen gesünder leben können. Obwohl der Weg von der Forschung hin zur Anwendung im Bereich Biotechnologie oft besonders langwierig ist, hat es das Team um Professor Kai Simons geschafft. Seit 2014 ist die Ausgründung aus dem Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik am Markt und hat aktuell 10 Mitarbeiter. Über die Erfahrungen bei der Gründung sprachen wir mit Oliver Uecke, Head of Business Development and Finance bei Lipotype.

 

Was ist der Inhalt Eures Unternehmens?

Lipotype bietet die Analyse von Fetten (Lipiden) im Blut und anderen biologischen Proben an (Lipidomics). Die Kunden von Lipotype wie beispielsweise Pharma/Biotechunternehmen und Lebensmittelhersteller nutzen die Analysen für die Entwicklung neuer diagnostischer Verfahren und Medikamente, aber auch zur Herstellung gesünderer Lebensmittel. Die LIPOTYPE ShotgunLipidomics-Technologie ermöglicht es erstmalig, die Lipide in tausenden Proben in einem zuvor nicht erreichten Grad an Detailliertheit in kürzester Zeit zu quantifizieren.

 

Das Team von Lipotype (Foto: Lipotype/ ONE.Photostudio)

Das Team von Lipotype (Foto: Lipotype/ ONE.Photostudio)

Wie entstand die Idee dazu und wann habt Ihr die Entscheidung zur Gründung getroffen?

Die Idee entstand in 2011 als Vertreter eines internationalen Lebensmittelkonzerns den Ideengeber Professor Simons am MPI für Molekulare Zellbiologie und Genetik besuchten und die neuartige Technologie zur Lipidanalytik präsentiert bekamen. Sofort wurde das Einsatzgebiet zur Entwicklung von gesünderen Lebensmitteln diskutiert. Im Nachgang gab es verschiedene Gespräche zur Nutzung der Technologie innerhalb des Lebensmittelkonzerns und eine Pressemitteilung zu dieser laufenden Kooperation ist gerade in Abstimmung.

In unserem Fall haben wir den Vorteil, dass wir bereits heute Umsätze aus Dienstleistung und Lizenzerlösen erzielen können, d.h. unsere Technologieplattform wird bereits für einige Anwendungsfelder eingesetzt und wird parallel sukzessive von uns für weitere Anwendungen weiterentwickelt.

Hilfreiche Unterstützung gab es in der Vorgründungsphase einerseits durch dresden exists und andererseits durch das BMWi Programm EXIST Forschungstransfer. Für den Unternehmensaufbau und Markteintritt haben wir verschiedene Förderprogramme der SAB genutzt (z.B. GRW Investitionsförderung, Markteinführung neuer Produkte). Zur Unterstützung im FuE Bereich unseres Unternehmens nutzen wir die Förderprogramme SAB FuE Projektförderung und das bundesweite Programm ZIM – Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand.

 

(Foto: Lipotype/ ONE.Photostudio)

(Foto: Lipotype/ ONE.Photostudio)

Gibt es Punkte, wo mehr Unterstützung für Biotech-Startups nötig wäre?

Unterstützungsangebote sind bereits vielfältig vorhanden. Für den Biotechnologiesektor ist jedoch ein Branchenfokus mit zugeschnittenen Angeboten wichtig. Hier muss noch mehr getan werden, zum Beispiel konnte der Technologiegründerfonds Sachsen – TGFS 1 nicht in die rote Kern-Biotechnologie, d.h. die medizinische Biotechnologie investieren. Ein Positivbeispiel ist der Sektorenfokus bei dresden|exists. Mit Dorit Teichmann und Dr. Katrin Silbermann stehen hier erfahrene Biotech-Experten den Gründerteams mit Rat und Tat zur Seite.

 

Was waren die größten Herausforderungen bei der Gründung und wie habt Ihr sie bewältigt?

In Dresden gibt es ein Raumproblem für Biotech Start-ups, die Labore und damit spezielle Bedingungen benötigen. Wir haben es dadurch gelöst, dass wir bereits lange vor dem operativen Start uns Räume im vollständig ausgelasteten BioInnovationsZentrum Dresden gesichert hatten. Nachteil war natürlich der finanzielle Mehraufwand für Miete und Nebenkosten, der dadurch entstanden ist.

 

Worauf seid Ihr im Rückblick besonders stolz?

Zum Ende der EXIST Forschungstransfer Förderung Ende 2013 war unsere Lipotype Shotgun Technologie für erste Anwendungsbereiche entwickelt, wir konnten eine strategische Partnerschaft mit einem internationalen Lebensmittelkonzern eingehen und bereits im ersten Jahr der operativen Geschäftstätigkeit in 2014 den Break-even erreichen. Für das Erreichte sind wir dankbar und richten jetzt unseren Blick in die Zukunft, um die Nachhaltigkeit des Unternehmens zu sichern und das Potential der LIPOTYPE ShotgunLipidomics-Technologie bestmöglich zu nutzen.

 

Welche Tipps würdet Ihr jungen Wissenschaftlern mit auf den Weg geben, die eine Unternehmensgründung planen?

Biotech- Startups benötigen ein Ökosystem, um mit erstklassiger Wissenschaft vernetzt zu bleiben (der Zugang zu state-of-the-art know-how und Technologien ist essentiell für die eigenen Weiterentwicklungen und um Technologiesprünge nicht zu verpassen) sowie mit einem Zugang zu Experten für Finanzierung, steuerliche und rechtliche Fragen, Technologietransfer, etc.

Der Zugang zu (potentiellen) Kunden, z.B. durch persönliche Kontakte der Gründer ist unglaublich wichtig.

Die Zeitplanung ist immer zu optimistisch! Ein Vertragsabschluss mit einem Konzern als Kunden dauert mindestens 9 Monate, auch wenn eigentlich schon alles besprochen wurde; und mit 9 Monaten ist man super!

 

(Foto: Lipotype/ ONE.Photostudio)

(Foto: Lipotype/ ONE.Photostudio)

Was ist Eure Zukunftsvision bzw. wo seht Ihr Lipotype in fünf Jahren?

Lipidomics ist im Bereich der klinischen Routinediagnostik etabliert und Lipotype ist der führende Anbieter in diesem Segment. Weiterhin wird die LIPOTYPE ShotgunLipidomics-Technologie in unterschiedlichen Anwendungsbereichen wie Lebensmittelindustrie und Kosmetik eingesetzt. Als Ergebnis wollen wir mit Lipotype Antworten auf die Frage geben, wie Menschen gesünder leben können.

Unser Slogan bei Lipotype: Lipidomics for a better life.

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