Veröffentlicht am

Grün­der­por­trait #47: Lisa Dathe – Über­neh­merin der kaf­feeode in Dresden

(24 von 37)_web
Foto: Ste­fanie Köhler (art­mo­vement)

Lisa Dathe hat von dem geplanten Verkauf der kaf­feeode in Dresden zufällig erfahren. Eigentlich suchte die diplo­mierte Geo­graphin nach einem Job in ihrer Branche. Um in dieser Zeit das Gefühl zu bekommen, gebraucht zu werden, arbeitete sie nebenbei in einem Café. So erfuhr sie vom geplanten Verkauf der kaf­feeode. Was danach pas­sierte, hat sie uns im Interview erzählt.

 

Welches Unter­nehmen haben Sie übernommen?

Zum 1. Januar 2012 habe ich die kaf­feeode über­nommen. Die ehe­malige Inha­berin ist Schmuck­de­si­gnerin und nutzte das Kaffee bis zu diesem Zeit­punkt auch als Atelier. Das fiel mit dem Verkauf weg und ich suchte nach Wegen, die kaf­feeode nach meinen Vor­stel­lungen umzu­ge­stalten. Es ist mein Unter­nehmen und ich möchte mich damit iden­ti­fi­zieren. Geblieben ist der Name, Teile der Ein­richtung, das Kaf­fee­an­gebot und die Gäste. Neu ist das Angebot von Suppen, Sand­wiches und selbst­ge­ba­ckenem Kuchen.

 

Wie und wo haben Sie den Über­ge­berin kennengelernt?

Die ehe­malige Eigen­tü­merin wollte aus fami­liären Gründen das Café abge­geben und suchte nach einem Nach­folger. Ich jobbte zu dieser Zeit in einem Dresdner Café. Dort habe ich zufällig von meiner dama­ligen Chefin erfahren, dass die kaf­feeode zum Verkauf steht. Ich habe sie mir dann einfach mal ange­schaut und irgendwie ist der Funken sofort über­ge­sprungen. Ich konnte mir recht schnell vor­stellen, die neue Inha­berin zu werden und habe mich dann ab Herbst 2011 auf die Über­nahme vorbereitet.

 

Wann haben Sie sich für die Über­nahme entschieden?

Ein neues Café zu eröffnen, hatte ich nie vor. Aber hier gab es schon eines. Ich wusste, es funk­tio­niert, auch wenn ich kon­zep­tionell etwas ver­ändert habe. Zum dama­ligen Zeit­punkt war ich etwa 1,5 Jahre auf der Suche nach einer Anstellung als Geo­graphin. Nach dieser Zeit fühlte ich mich einfach bereit, etwas Neues zu beginnen. Das Café bot sich dafür an. Es ist von der Größe sehr über­schaubar – auch von den Inves­ti­ti­ons­kosten. Falls es nicht funk­tio­niert hätte, hätten sich die finan­zi­ellen Ver­luste in Grenzen gehalten. Außerdem hatte ich die volle Unter­stützung meiner Familie. Das war für mich eben­falls ganz wichtig.

Das Café ist ein Kleinod im Wald­schlöss­chen­areal zwi­schen kalten Büro­ge­bäuden. Es gibt andere gas­tro­no­mische Ein­rich­tungen, diese sind aber nicht ver­gleichbar. Für viele meiner Gäste ist der Kaffee bei mir eine kleine Auszeit vom hek­ti­schen Alltag. Und das passt einfach zu mir.

 

Was waren die größten Her­aus­for­de­rungen während der Über­nahme und wie haben Sie diese bewältigt?

Ich bin nicht so ein betriebs­wirt­schaft­licher Typ, der sich gerne in Zahlen rein­fuchst und damit aus­ein­an­der­setzt. Das ist für mich jetzt immer noch eine Her­aus­for­derung. Mich hin­zu­setzen und zu über­legen, was sind meine Ein­nahmen, was meine Aus­gaben und welchen betriebs­wirt­schaft­lichen Gestal­tungs­rahmen habe ich. Das fällt mir nicht immer leicht. Mitt­ler­weile habe ich da aber Lust darauf und möchte es lernen.

Dann musste ich erst mal lernen zu erkennen, wie meine Ideen ankommen und was die Gäste wollen. Ich musste ein Gefühl dafür ent­wi­ckeln, mich auf meine Kunden ein­zu­stellen, ohne mich zu ver­lieren. Ich habe ja mein Konzept und möchte das gerne wei­ter­führen. Daher brauche ich das Gespür, was den Gästen gut tut und was mir gut tut, um ich dahin­gehend weiterzuentwickeln.

 

Foto: Lisa Dathe
Foto: Lisa Dathe

Was macht Sie besonders stolz bzw. was sind Ihre bis­he­rigen Erfolge?

Das Café ist sehr gut ange­laufen. Es bestärkt mich, dass ich merke, die kaf­feeode ist nicht weg­zu­denken. Es ist ein Ort zum Durch­atmen zwi­schen all den Büro­ge­bäuden, dem Durch­gangs­verkehr, dem Stress. Ein Ort der Ruhe. Und das ver­binde ich natürlich auch mit mir. Es ist das Café an sich, als kleines Häuschen, was her­vor­sticht. Und da es so klein ist, hängt es eben auch an der Person, die es führt.

 

Gab es Tage, an denen Sie sich nicht sicher waren, wie und ob es wei­ter­gehen soll? Wenn ja: wie haben Sie diese Hürden bewältigt?

Ja, ich hatte schon Tage, an denen es schwierig war. Das war im letzten Winter, was ja gleich­zeitig mein erster Winter im Café war. Den fand ich her­aus­for­dernd. Mir hat die Sonne gefehlt, mir und den Gästen. Das habe ich wirklich gemerkt. Es ist ein sehr kleines Café. So habe ich keinen Rück­zugsraum, keine Küche in der ich mal kurz ver­schwinden könnte. Ich bin immer 100% da. Es war eine große Her­aus­for­derung, mich da auch mal raus­zu­nehmen oder abzu­grenzen. Ich habe es dann einfach so gemacht, dass ich mir eine Auszeit genommen habe. Ich hatte im Jahr davor keinen Urlaub und musste mal raus. Das hat mir sehr geholfen. Ich bin dann wieder frohen Mutes und mit etwas Abstand ins Geschäft zurück­ge­kommen, habe auch mal jemand anderen hinterm Tresen gesehen und konnte mich dann einfach raus­nehmen, weil ich wusste es läuft. Das hat mir die Kraft gegeben, wieder Neues einzubringen.

Außerdem gibt es durchaus Tage an denen ich bange, ob sich die kaf­feeode auf Dauer trägt. Denn die kalten Tage und der begrenzte Raum für Gäste sind auch für ein Limit im Umsatz ver­ant­wortlich. Ich muss deshalb immer darauf ver­trauen, dass ich in der wär­meren Periode des Jahres genug ein­spiele, um die kalte Saison auzugleichen.

 

Welche Erfah­rungen möchten Sie an andere wei­ter­geben, die jetzt vor der Ent­scheidung stehen, eine Unter­neh­mens­nach­folge anzutreten?

Ich kann vielen eigentlich nur sagen, dass sie sich trauen können! Aber sie sollen die Selbst­stän­digkeit schon gut durch­denken – wer hinter einem steht, wer einem helfen kann. Und sie sollen Hilfe annehmen. Habt den Mut, euch auf den Weg zu begeben und euch aus­zu­pro­bieren! Es ist ein sehr großer Gewinn, wenn man für sich und das eigene Unter­nehmen ver­ant­wortlich ist, wenn man Ver­ant­wortung über­nehmen kann und darf. Das ist ja keine Bürde oder Last, sondern das ist etwas ganz Schönes, die Unter­nehmung vor­an­zu­treiben und wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, dem Unter­nehmen ein Gesicht zu geben.

 

Was ist Ihre Zukunfts­vision bzw. was möchten Sie in den nächsten 5 Jahren erreichen?

Ich sehe das Café in fünf Jahren noch geöffnet – ob mit mir oder ohne mich, das weiß ich nicht. Mir ist es ein großes Anliegen, dass das Café in der Art und Weise noch exis­tiert. Viel­leicht steige ich ja auch wieder in die Geo­graphie ein und suche für mein Café einen Nachfolger…

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

↑ Nach oben