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Grün­der­por­trait #46: LignoTUBE technologies

Team Ligno Tubes
Preis­träger beim Red Dot Design Award: Curt Beck und Robert Taran­c­zewski
(Foto: Red Dot Design Award)

Rohre aus Holz? Mit dieser uralten und gleich­zeitig inno­va­tiven Idee beschäftigt sich das Team von LignoTUBE tech­no­logies. Das Dresdner Start-up stellt Rohre aus Echt­holz­furnier her, die leicht und äußerst belastbar sind. So halten sie auch Kräften stand, die bspw. auf einen Fahr­rad­rahmen wirken. Für ihre LignoTUBEs wurden der Indus­trie­de­signer Robert Taran­c­zewski und der Ver­fah­rens­tech­niker Curt Beck bereits mit dem Mate­rialica Award und einer Nomi­nierung zum Deut­schen Roh­stoff­ef­fi­zi­enz­preis aus­ge­zeichnet. Am 7. Juli 2014 konnten sie nun auch einen der füh­renden Design­preise mit nach Hause nehmen. Für ihr Fahrrad nemus CAJALUN erhielten sie den Red Dot Award in der Kate­gorie Product Design. Wo sie ein reich­liches Jahr nach der Gründung stehen und was ein solcher Preis für sie bedeutet, darüber sprachen wir mit Curt und Robert.


Was ist der Inhalt eurer Selbstständigkeit?

RT: Holz­rohre. Was so banal klingt ist eigentlich ein cooles Produkt, aus dem man viel machen kann. Holz­rohre gibt es eigentlich schon seit Ewig­keiten, spä­testens mit Beginn der Zivi­li­sation und somit dem Bau von Was­ser­lei­tungen, denn dafür wurden u.a. hohl gebohrte Bau­stämme genutzt. Unser Ansatz ist jedoch ein ganz anderer: Wir nehmen ein­zelne Fur­nier­bahnen. Das sind dünn geschnittene „Bretter“ mit ca. einem halben Mil­li­meter Dicke und bauen damit dann Rohre in einem mehr­la­gigen Verbund.


Wie und wann ent­stand die Idee dazu?

RT: Die Idee ent­stand 2007 im Rahmen eines Stu­di­en­pro­jekts zum Thema Leicht­bau­fahr­zeuge. Ich beschäf­tigte mich mit dem Werk­stoff Holz, um damit ein Fahr­rad­konzept umzu­setzen – hierbei kam dann die Idee zu den Rohren. Als Indus­trie­de­signer steht ins­be­sondere die Anwendung im Fokus und das war die Initi­al­zündung. Curt hat sich dann während seines Diploms 2008/2009 eben­falls mit der The­matik solcher Rohre befasst.

CB: Eigentlich über Umwege. Ich war in meiner Diplom­arbeit und habe nach Holz­rohren geschaut, weil ich wusste, da könnte man als wis­sen­schaft­licher Mit­ar­beiter an der Uni ein For­schungs­projekt initi­ieren. Ich habe dann im Internet recher­chiert und bin auf das Fahrrad gestoßen, was Robert aus Holz­rohren gebaut hatte. Über studivz habe ich ihn dann gefunden und kon­tak­tiert. Ein halbes Jahr später, im Sommer 2009 haben wir uns erstmals in der Alten Mensa getroffen. Ja, und dann hat sich das so ent­wi­ckelt und nun sitzen wir hier.

 

LignoTUBES
LignoTUBEs: Leicht­bau­rohre aus Holz­furnier (Foto: Robert Gebler)

Wann habt ihr die Ent­scheidung zur Gründung getroffen?

CB: Nach dem Diplom von Robert im Sommer 2010 hat er noch ein Jahr am IFW gear­beitet und die Idee ist ein wei­teres Jahr gereift. Die end­gültige Ent­scheidung war dann 2011 mit der Abgabe des För­der­an­trags für das EXIST-Grün­dersti­pendium. Spä­testens da wussten wir, dass wir unsere Idee umsetzen werden. Im März 2013 haben wir dann LignoTUBE tech­no­logies gegründet.

 

Was waren die größten Her­aus­for­de­rungen auf dem Weg in die Selbst­stän­digkeit und wie habt ihr sie bewältigt?

Das Schreiben des Busi­ness­plans gehörte für uns zu den müh­sa­meren Auf­gaben, außerdem die ganzen Anträge und der Papierkram. Z.B. die Ent­scheidung, ob man nun in eine gesetz­liche oder private Kran­ken­ver­si­cherung geht. Man wird plötzlich mit tausend Sachen kon­fron­tiert, von denen man erst einmal keine Ahnung hat. Wir sind eher am Produkt und der Umsetzung inter­es­siert und da kann die Theorie rings­herum schon ziemlich ner­ven­auf­reibend sein. Aber letztlich sind das alles Hürden, die zum Erreichen der eigenen Ziele nun mal genommen werden müssen. Unsere Ein­stellung dazu war: Augen zu und durch!


Das Fahrrad aus LignoTUBES, werdet ihr dem­nächst unter der Marke nemus ver­treiben? Hattet Ihr von Anfang an geplant das Rad in die Seri­en­pro­duktion zu bringen?

Ja, das haben wir von Anfang an in unserer Planung mit berück­sichtigt. Da Robert bereits im Studium mit dem Projekt „nemus“ begonnen und somit schon einige Erfah­rungen und v.a. durchweg positive Resonanz mit dem Bike sammeln konnte, war es für uns klar, dass die Fahr­räder unbe­dingt umge­setzt werden müssen. Nach jah­re­langer Ent­wick­lungs­arbeit ist es nun in diesem Jahr endlich so weit.


nemus Cajalun
Für Design-Enthu­si­asten: nemus Cajalun
(Foto: Robert Gebler)

Am 7. Juli wurdet ihr für das nemus CAJALUN mit dem Red Dot Award aus­ge­zeichnet. Wie fühlt es sich an, einen der füh­renden Design­preise zu bekommen?

Die Aus­zeichnung ist natürlich unglaublich für uns, zumal wir mit der „Best of the Best“-Auszeichnung noch einmal besonders geehrt wurden. Der Red Dot Award ist inter­na­tional sehr ange­sehen, was uns mit Sicherheit hilft, nicht nur den eigenen Bekannt­heitsgrad zu steigern, sondern auch unseren Desi­gn­an­spruch zu unter­streichen. Eine solche Aus­zeichnung, ins­be­sondere für uns als junges und kleines Unter­nehmen, ist eine schöne Bestä­tigung der eigenen Arbeit und zeigt, dass wir auf dem rich­tigen Weg sind.


Was möchtet ihr Gründern mit auf den Weg geben, die jetzt vor der Ent­scheidung zur Selb­stän­digkeit stehen?

Nicht zu zeitig gründen, sich aber auch nicht zu viel Zeit lassen mit neben­säch­lichen Dingen, sondern hin­ter­ein­ander weg arbeiten. Ganz wichtig hierbei: Prio­ri­täten setzen! Des Wei­teren ist die eigene Moti­vation natürlich von hoher Bedeutung und damit ver­bunden auch die Vision: Wo will man hin, was will man schaffen, wie kann man das umsetzen? Nur weil ein anderer sagt „das wird nichts“ sollte man kei­nes­falls aufgeben.


Was ist eure Zukunfts­vision bzw. was möchtet ihr in den nächsten 5 Jahren erreichen?

Unser lang­fris­tiges Ziel ist es, LignoTUBE als neue öko­lo­gische Werk­stoff­klasse neben den vielen anderen Mate­rialien am Markt zu eta­blieren. Zunächst geht es aber erst einmal darum, das Produkt an den Mann bringen. Heißt: Pro­duktion auf­bauen, Pro­dukte gene­rieren, Kunden gewinnen. Es wäre schön, wenn wir innerhalb dieser ersten 5 Jahre nicht nur euro­paweit Abnehmer und Partner haben. Bereits jetzt schon können wir auf ein gutes, breit gefä­chertes Netzwerk mit viel Knowhow zurück­greifen, was uns bei der Umsetzung unserer Vision sicherlich nützlich ist.

 

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