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Grün­der­por­trait #42: Andrea Ludwig – Über­neh­merin der Spicher GmbH

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Andrea Ludwig, führt das Unter­nehmen ihres Vaters, die Spicher GmbH, fort.

Andrea Ludwig arbeitete in der Firma ihres Vaters. Irgendwann kam die Frage auf, ob sie sich vor­stellen könnte, diese zu über­nehmen. Sie lehnte zunächst ab. Warum sie ihre Meinung geändert hat und wie sie den Weg in die Geschäfts­führung des Fami­li­en­un­ter­nehmens gestaltete, hat sie uns im Interview erzählt.

 

1. Welches Unter­nehmen haben Sie übernommen?
Die Spicher GmbH wurde 1991 von meinem Vater gegründet. Meine Mutter arbeitete von Beginn an im Unter­nehmen mit. Sie war für das Con­trolling zuständig, mein Vater für die Geschäfts­führung und Kun­den­ak­quise. Wir sind ein Kom­plett­an­bieter und Facher­richter für Sicher­heits­systeme und elek­tro­tech­nische Anlagen. Zu unseren tra­di­tio­nellen Geschäfts­feldern gehören Über­wa­chungs- und Sicher­heits­systeme, Brand­mel­de­an­lagen, Alarm­systeme und Video­über­wa­chung sowie Gebäu­de­au­to­ma­ti­ons­technik. Dabei legen wir einen hohen Wert auf das Angebot inno­va­tiver Pro­dukte und bieten einen 24h-Service. Aktuell sind in der Spicher GmbH 40 Mit­ar­beiter beschäftigt. Unser Hauptsitz ist in Halle. In Berlin haben wir eine Niederlassung.


2. Wann haben Sie sich für die Über­nahme entschieden?

2007 habe ich in unserem Betrieb als Ver­ant­wort­liche für Mar­keting und Ver­trieb ange­fangen. Mein Vater fragte mich damals schon, ob ich mir vor­stellen könnte, die Firma wei­ter­zu­führen. Das konnte ich mir damals nicht und habe abge­lehnt. Eigentlich wollte ich die Stelle als Sprung­brett nutzen. Doch dann war ich im Unter­nehmen drin. Ich lernte die Kol­legen und Kunden kennen und habe den Bereich Ener­gie­ef­fi­zienz neu auf­gebaut. Und plötzlich ist man ein Teil der Firma. Zu dem Zeit­punkt liefen bereits Ver­kaufs­ge­spräche mit Über­nah­me­in­ter­es­senten. Schnell war klar, wenn der Verkauf rea­li­siert wird, wird die Firma in ihrer ursprüng­lichen Zusam­men­setzung so nicht mehr exis­tieren und der größte Teil der Ange­stellten ver­liert den Arbeits­platz. Ich erkannte den Ernst der Lage. In Absprache mit meiner Familie, ins­be­sondere meinem Mann, dis­ku­tierten wir die Mög­lichkeit, ob ich die Ver­ant­wortung über­nehmen kann und soll, das Fami­li­en­un­ter­nehmen wei­ter­zu­führen. Er bestärkte mich in meinem Vor­haben und dann stand meine Ent­scheidung zur Über­nahme plötzlich ganz schnell fest. Mein Vater war über­glücklich, als ich ihm mit­teilte, dass die Spicher GmbH in Fami­li­enhand bleiben soll.


3. Was macht Sie besonders stolz bzw. was sind Ihre bis­he­rigen Erfolge?

Besonders stolz bin ich, dass die Tra­dition der Spicher GmbH fort­ge­führt und von Kol­legen, Partnern und Kunden sehr geschätzt wird. Neben dem Tages­ge­schäft war es mir wichtig, die Außen­wirkung unserer Firma zu ver­bessern und den Genera­ti­ons­wechsel zu doku­men­tieren. So ist es uns gelungen, bereits im ersten Jahr eine qua­li­tativ ver­bes­serte Inter­net­seite zu plat­zieren. Die Online-Anfragen und Reak­tionen bestä­tigten diese Ent­scheidung und ich kann sagen, dass die Inter­net­kom­mu­ni­kation das wich­tigste Mar­ke­ting­in­strument unserer Firma geworden ist. So können wir unsere eigenen Ent­wick­lungen besser am Markt kom­mu­ni­zieren und auf unsere Lösungen auf­merksam machen.

Die positive Resonanz der Kunden macht mich eben­falls stolz. Uns ist es gelungen, das Ansehen der Spicher GmbH zu stärken. Anfangs hatte ich Bedenken, dass mich unsere Kunden als Geschäfts­füh­rerin nicht genügend wahr­nehmen. Ich kannte sie ja schon von meiner Tätigkeit als Ver­triebs­lei­terin. Aber die Akzeptanz war von Anfang an da und ist noch gestiegen. Und: Meine Mit­ar­beiter wissen, dass ich mit ihnen offen zusam­men­ar­beiten möchte. In regel­mä­ßigen Abständen gibt es Mee­tings mit allen Kol­le­ginnen und Kol­legen um über aktuelle Pro­jekte und interne Unter­neh­mens­struktur sowie die weitere stra­te­gische Aus­richtung des Unter­nehmens zu infor­mieren. Diese offene Kom­mu­ni­kation werde ich in meinem Arbeits- und Lei­tungsstil immer mehr umsetzen und damit die Mit­ar­beiter für neue Ideen und Mit­arbeit zu begeistern.


4. Gab es Tage, an denen Sie sich nicht sicher waren, wie und ob es wei­ter­gehen soll? Wenn ja: wie haben Sie diese Hürden bewältigt?

Ja. Ich ver­suche immer alles sorg­fältig abzu­wiegen. Ich habe eine Ent­scheidung getroffen, die dem Wohle der Firma diente. Sie wurde jedoch vom Großteil meiner Mit­ar­beiter nicht mit­ge­tragen. In dieser Situation galt es über Gespräche auf­zu­klären und die Not­wen­digkeit meiner Ent­scheidung dar­zu­legen. Die Gelas­senheit meine Ent­scheidung so zu akzep­tieren und im Nach­hinein nicht mehr zu hin­ter­fragen, ist sicherlich auch ein Erfahrungsprozess.

Natürlich fährt man manchmal nach Hause und denkt, wie soll ich dieses oder jenes Problem regeln. Doch am nächsten Tag ist so manches Problem gelöst und man steht vor einer ganz anderen Situation. Und das ist ja das, was Spaß macht. Die Chance, ein Unter­nehmen nach den eigenen Vor­stell­lungen zu führen und den Weg selbst zu beein­flussen, ist so viel wert und macht erst so richtig einen Unter­nehmer aus.


5. Welche Erfah­rungen möchten Sie an andere wei­ter­geben, die jetzt vor der Ent­scheidung stehen, eine Unter­neh­mens­nach­folge anzutreten?

Unsere Unter­neh­mens­nach­folge hat zwei Jahre gedauert. Das hätte ich ursprünglich nicht gedacht. Doch man unter­schätzt den Prozess der Fir­men­über­tragung. Wir mussten erst mal grund­sätz­liche Dinge klären. Ich habe mich für einen eigenen Steu­er­be­rater und Rechts­anwalt ent­schieden. Das emp­fehle ich jedem. Das Unter­nehmen wurde bewertet, als würde es an einen Dritten ver­kauft. Dazu gehörte eine Due Dili­gence. Das zu akzep­tieren, war für meinen Vater zunächst nicht einfach. Gerade auch, weil Fremde sein Lebenswerk nach streng betriebs­wirt­schaft­lichen Kri­terien beur­teilten. Zum Glück konnte ich immer offen mit meinen Eltern dis­ku­tieren und letzt­endlich hat sich dieser Weg als der Richtige erwiesen.

Ich habe das Unter­nehmen per Stichtag gekauft. Im Dezember 2012 wurden alle Ver­träge unter­schrieben und ab Januar 2013 war ich alleinige Inha­berin und Geschäfts­füh­rerin. Ab diesem Zeit­punkt hatte ich den Ein­druck, dass meine Eltern erleichtert waren. Und auch für die Mit­ar­beiter war dies die beste Alter­native. So wussten sie, ab sofort bin ich ihr Ansprech­partner. Mein Vater steht für Fragen nach wie vor zur Ver­fügung. Aber er ist jetzt auch der Meinung, dass er mich nicht mehr ver­treten kann, da er nicht mehr den aktu­ellen Ein­blick in den Geschäfts­be­trieb hat. Er genießt es auch, die Ver­ant­wortung abzu­geben. Ich emp­fehle jedem, sich Unter­stützung von Dritten zu holen, sich aus­zu­tau­schen mit anderen Nach­folgern, Seminare zu besuchen. Jeder soll sich selbst die Zeit geben, die Unter­neh­mens­über­nahme so zu planen, dass er seine Ziele und Wünsche berück­sich­tigen kann. Und das ist ein Prozess, der dauert meist länger, als anfangs gedacht.


6. Was ist Ihre Zukunfts­vision bzw. was möchten Sie in den nächsten 5 Jahren erreichen?

In zehn Jahren soll die Spicher GmbH doppelt so groß sein, wie heute. Im Mit­tel­punkt werden auch wei­terhin unsere Ser­vice­leis­tungen und die Betreuung unserer Kunden im Bereich Sicher­heits­technik sein. Ich möchte unser ent­wi­ckeltes Manage­ment­system so marktreif machen und so stabil wei­ter­ent­wi­ckeln, dass wir uns sicher im Markt eta­blieren können. Dazu gehört viel Kraft. Aber ich bin mir sicher, das mit meinem Team zu schaffen. Meinen Mit­ar­beitern und ihren Familien soll es gut gehen und sie sollen sich wei­terhin wohl fühlen und sich per­sönlich immer wei­ter­ent­wi­ckeln können in der Spicher GmbH. Ich wünsche mir eine positive, ver­trau­ens­volle und offene Unternehmenskultur.

 

Wie man die Nach­folge richtig gestaltet, ist auch das Thema des FOL­GE­RICHTIG-Treffs am Don­nerstag, den 13. März 2014. Gemeinsam mit mit anderen Nach­folgern und Unter­nehmern berichtet Andrea Ludwig hier über ihre Erfahrungen. 

 

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