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Grün­der­por­trait #39: per­fluo­rence – Neu­artige Hoch­leis­tungs­schmier- und Kunststoffe

Dresden ist ein wich­tiges Zentrum der Mate­ri­al­for­schung. Ein Bei­spiel dafür wie diese For­schungs­er­geb­nisse in inno­vative Pro­dukte umge­setzt werden, ist die per­fluo­rence GmbH. Sie ent­wi­ckelt, pro­du­ziert und ver­marktet rei­bungs­min­dernde und ver­schleißarme Kunst­stoffe- und Additive für Schmier­stoffe. Die im Januar 2013 gegründete Firma ist ein Spin-Off des Leibniz-Instituts für Poly­mer­for­schnung Dresden e. V. (IPF). Wie sie von der For­schung zum eigenen Unter­nehmen gekommen sind, haben wir bei Thomas Engel­hardt, Hagen Marks und Fre­derico Rosenbaum nachgefragt.

1. Was ist der Inhalt Eurer Selbstständigkeit?

Wir wollen ein Unter­nehmen auf­bauen, das sich im Bereich der Roh­stoff­ver­edlung für spe­zielle Hoch­leis­tungs­kunst­stoffe und Schmier­stoff­systeme als Experte für ver­schleiß­min­dernde Werk­stoffe posi­tio­niert. Überall wo sich Bau­teile in rela­tiver Bewegung zuein­ander befinden, wird ein Schmier­stoff ein­ge­setzt um den Ver­schleiß zu mini­mieren. Wir nutzen dafür das spe­ziell ver­edelte Polymer PTFE als Fest­schmier­stoff in unseren Kunst­stoffen- und Schmier­stoff­ad­di­tiven. Im Gegensatz zu den bisher ein­ge­setzten Werk­stoffen erhöhen unsere Pro­dukte die Lebens­dauer von Bau­teil­sys­temen wie Lager oder Antrieben deutlich und ermög­lichen so neue Anwen­dungs­be­reiche. Dresden als Zentrum für Mate­ri­al­for­schung ist dabei für uns ein idealer Standort zum Pro­du­zieren und um die Wei­ter­ent­wicklung von Mate­rialien zusammen mit Partnern voran zu treiben.

 

2. Wie und wann ent­stand die Idee dazu?

Die Grund­la­gen­for­schung zur Ver­edlung von PTFE für die Kopplung mit anderen Poly­meren begann bereits 1997 am IPF und wurde mit ver­schie­denen Pro­jekten unter der maß­geb­lichen Leitung von Dr. Dieter Lehmann aus­ge­führt. Mit der Tech­no­logie kam es bis heute zu einer Vielzahl an Patent­an­mel­dungen. Das ForMaT-Projekt 2009 (For­schung am Markt im Team) brachte uns als Grün­derteam zusammen und ermög­lichte als Trans­fer­projekt eine Umsetzung der Grund­la­gen­for­schung in die direkte Pro­dukt­ent­wicklung in ver­schie­denste Rich­tungen. Durch die Zusam­men­arbeit mit dresden|exists kamen die ersten Ideen zu einer Fir­men­gründung, der Name per­fluo­rence wurde ent­wi­ckelt und im Patent- und Mar­kenamt ange­meldet. Die erfolg­reiche Teil­nahme am IQ Inno­va­ti­ons­preis Mit­tel­deutschland, dem futureSAX Busi­nessplan Wett­bewerb und dem Busi­ness­plan­se­mi­nares der TU-Dresden  bestärkten uns die Fir­men­gründung voran zu treiben.

 

3. Wann habt Ihr die Ent­scheidung zur Gründung getroffen?

Die end­gültige Ent­scheidung zur Fir­men­gründung erfolgte für uns im wei­ter­füh­renden Trans­fer­projekt EXIST-For­schungs­transfer Phase I. In dem Projekt führten wir die Pro­dukt­ent­wick­lungen zur Markt­reife weiter und konnten Partner in der Industrie davon über­zeugen unsere Kunst­stoffe- und Schmier­stoff­ad­ditive zu testen. Auf ver­schie­denen Indus­trie­messen und wis­sen­schaft­lichen Fach­ta­gungen konnten wir außerdem die Marke per­fluo­rence weiter eta­blieren. Mit der Unter­stützung der Gesell­schaft für Wissens- und Tech­no­lo­gie­transfer der TU-Dresden mbH konnten wir neben­be­ruflich das erste Produkt ver­treiben und damit den kleinen Ein­stieg in den Markt rea­li­sieren. Die Fir­men­gründung setzten wir dann mit der Bean­tragung von EXISTS-For­schungs­transfer Phase II im Januar 2013 um.

 

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Die Gründer der per­fluo­rence GmbH (v.l.n.r.): Hagen Marks, Fre­derico Rosenbaum und Thomas Engelhardt

4. Was waren die drei größten Her­aus­for­de­rungen auf dem Weg in die Selbst­stän­digkeit und wie habt Ihr sie bewältigt?

Eine der größten Her­aus­for­de­rungen für uns war es und ist es immer noch, als junge Gründer eines kleinen Unter­nehmens das Ver­trauen zu unseren Kunden auf­zu­bauen und sie vom Benefit unserer Pro­dukte zu über­zeugen. Dies meistern wir mit Fach­wissen, gezielten Ver­gleichen an eta­blierten Pro­dukten und dem Mut auch mal auf dünnem Eis zu fahren. Eine andere Her­aus­for­derung war die Schere zwi­schen Wis­sen­schaft und Markt zu über­winden, das betrifft die Arbeits­weise im Unter­nehmen sowie die Struk­tu­rierung des Unter­nehmens. Das hat uns nicht nur Zeit gekostet, auch einige Wei­ter­bil­dungen waren notwendig.

 

5. Was macht Euch besonders stolz bzw. was waren Eure bisher größten Erfolge?

Wir sind stolz auf unsere erar­beitete För­derung, den EXIST For­schungs­transfer, mit dem wir unser Unter­nehmen starten konnten und über die ersten Ver­käufe unserer Pro­dukte. Was uns besonders freut ist, dass wir Zeit hatten aus Fehlern zu lernen und damit viel Selbst­ver­trauen in uns und unsere Arbeits­weise gewinnen konnten.

 

6. Welche Bedeutung hatte für Euch der EXIST-Forschungstransfer?

Es hat uns die Mög­lichkeit und Sicherheit gegeben, die Gründung vor­an­zu­treiben. Über beide Phasen hinweg haben wir somit 2,5 Jahre Zeit per­fluo­rence am Markt zu eta­blieren. Wir halten es für ein sehr wert­volles und nach­hal­tiges Projekt für den Tech­no­lo­gie­transfer von der Wis­sen­schaft zum Markt vor allem für for­schungs­in­tensive Tech­no­lo­gie­pro­jekte. Der Input der Pro­jekt­mit­ar­beiter zum Busi­nessplan sowie die Ver­tei­digung der Idee vor einer Jury haben uns immer gute Impulse für neue Ideen gebracht. Wir sind dankbar und stolz diese Unter­stützung ein­ge­worben und erhalten zu haben.

 

7. Gab es Tage, an denen Ihr nicht sicher wart, wie und ob es wei­ter­gehen soll? Wenn ja: wie habt Ihr diese Hürden bewältigt?

Wir sind von unserer Idee und den Pro­dukten über­zeugt, trotzdem gab es Momente in denen wir nicht wussten ob es wei­tergeht. Das waren vor allem Fragen in der Finan­zierung. Als pro­du­zie­rendes Unter­nehmen benö­tigen wir per­so­nelle Res­sourcen und Maschinen zur Her­stellung der Hoch­leis­tungs­pro­dukte in einer repro­du­zier­baren Qua­lität. Wir haben mit unserer Planung und den Markt­re­cherchen unsere Partner bisher über­zeugt und werden dies wei­terhin rea­li­sieren. Wenn eine Hürde auf­taucht nehmen wir uns die Zeit sie zu ana­ly­sieren und scheuen auch nicht davor um Hilfe zu fragen, wenn es nötig ist.

 

Perfluorence Granulat & Musterprodukt
Per­fluo­rence Kunststoff-Granulat

8. Welche Erfah­rungen möchtet Ihr an andere wei­ter­geben, die jetzt vor der Ent­scheidung zur Selbst­stän­digkeit stehen?

Das wich­tigste ist es dran zu bleiben, Durch­hal­te­ver­mögen zu besitzen und von seiner Idee über­zeugt zu sein. Stellt euch klare Regeln, Ziele und Mei­len­steine auf nach denen gear­beitet wird und reflek­tiert diese regel­mäßig. Wenn man fest­stellt, dass die Idee zur Gründung doch nicht das richtige ist, sollte man auch den Mut haben auf­zu­hören. Wei­terhin denken wir, dass der Aus­gleich zur Arbeit auch eine wichtige Rolle spielt.

 

9. Was ist Eure Zukunfts­vision bzw. was möchtet Ihr in den nächsten 5 Jahren erreichen?

In den nächsten fünf Jahren wollen wir zunächst unsere Pro­dukte am Markt weiter eta­blieren und die Pro­dukt­pa­lette durch die Ent­wicklung ver­bes­serter tri­bo­lo­gi­scher Werk­stoffe wie spe­zielle Poly­mer­fasern und Gleit­lack­systeme ver­größern. Wir werden einen neuen Standort beziehen und wollen weitere Arbeits­plätze schaffen. Ein wei­teres Thema wird für uns die Nach­hal­tigkeit im Wert­stoff­kreislauf sein, indem wir PTFE-Abfälle upcyceln und diese in einem Teil unserer Pro­dukte ver­wenden. Dafür müssen wir zunächst eine Akzeptanz bei unseren Kunden auf­bauen, die häufig Recy­cling­pro­dukte als min­der­wertig ansehen. Eine Vision ist außerdem, dass unserer Additive für Schmier­stoffe in den Getrieben von Wind­kraft­an­lagen ein­ge­setzt werden.

 

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