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Grün­der­por­trait #35: Complex Fiber Structures

CFS
Axel Spi­cken­heuer & Dr. Lars Bittrich (v.l.)

Die Complex Fiber Struc­tures GmbH (CFS) ver­marktet For­schungs­er­geb­nisse für den inno­va­tiven Leichtbau. Die von ihr ent­wi­ckelte Software ermög­licht es über ein Stick­ver­fahren bei­spiels­weise Car­bon­bau­teile für den Auto­mo­bilbau her­zu­stellen. Die im Juli 2013 gegründete Firma ist das mitt­ler­weile fünfte Spin-Off des Leibniz-Instituts für Poly­mer­for­schung Dresden e. V. (IPF). Über den Weg dahin haben wir mit Dr. Lars Bittrich, einem der beiden Gründer, gesprochen:

1. Was ist der Inhalt Eurer Selbstständigkeit?

Mein Kollege Axel Spi­cken­heuer und ich sind beide Mit­ar­beiter am IPF und arbeiten vorerst neben­be­ruflich für CFS. Am IPF beschäf­tigen wir uns mit der Preform-Her­stellung mittels Tailored Fiber Pla­cement (TFP)-Technologie. Diese ermög­licht es, über eine stick­tech­nische Ablage von Ver­stär­kungs­fäden Faser-Kunst­stoff-Ver­bund­bau­teile so her­zu­stellen, dass sie deutlich steifer und leichter sind, als es mit eta­blierten Faser­halb­zeugen, wie Geweben oder Gelegen, möglich ist. Wir ent­wi­ckeln für die TFP-Tech­no­logie eine zuge­schnit­tenen Com­puter Aided Manu­fac­turing-Lösung, die die Ent­wick­lungs- und Fer­ti­gungszeit für neue Bau­teile extrem ver­kürzen kann. Dabei kümmere ich mich vor­rangig um die Pro­gram­mierung und mein Kollege Axel um die Admi­nis­tration und den Vertrieb.

2. Wie und wann ent­stand die Idee dazu?

Kurz nachdem ich am IPF ange­fangen hatte, stellte ich Anfang 2011 fest, dass die bestehenden Software-Pro­dukte für den Bereich zu kom­pli­ziert sind. Wir ent­schlossen uns, eine neue und ein­fa­chere Software zu ent­wi­ckeln, die wir bereits in der Ent­wick­lungs­phase auf ver­schie­denen Tagungen vor­stellten und dis­ku­tierten. So wurde auch der Stick­ma­schi­nen­her­steller Tajima  auf uns auf­merksam, der zukünftig als Haupt­ab­nehmer die Software weltweit ver­treiben  möchte. Durch unsere neu­artige Pro­zess­software erwartet der Maschi­nen­her­steller eine erhöhte Nach­frage nach seinen TFP-Legeautomaten.

3. Wann habt Ihr die Ent­scheidung zur Aus­gründung getroffen?

Eine Kom­mer­zia­li­sierung der Software hatten wir bereits früh im Sinn. Aller­dings konnten wir diese nicht direkt am IPF anbinden. Eine Aus­gründung war dagegen möglich und wurde sowohl von Seiten des IPF als auch von dresden|exists stark unter­stützt. Durch die regel­mäßige indi­vi­duelle Beratung und die Wei­ter­bildung in Inten­siv­se­mi­naren konnten wir viel schneller gründen als in unserer ursprüng­lichen Zeit­planung gedacht.

4. Was waren die größten Her­aus­for­de­rungen auf dem Weg in die Selbstständigkeit?

Das betrifft vor allem den großen und unge­ahnten Umfang der orga­ni­sa­to­ri­schen, ver­trag­lichen und behörd­lichen Auf­gaben. Ange­fangen beim Business Plan, bei dem uns dresden|exists sehr zur Seite stand, oder die Ein­richtung eines Kontos, die Gespräche mit dem Notar und Anwälten bis hin zur Frage, welche Ver­si­che­rungen wir wirklich brauchen – das waren alles Punkte, die ich anfangs gar nicht im Blick hatte und die viel Zeit beanspruchten.

5. Was macht Euch besonders stolz bzw. was war Euer bisher größter Erfolg?

Stolz sind wir vor allem auf unseren Koope­ra­ti­ons­vertrag mit der Tajima GmbH, den wir in nächster Zeit unter­schreiben werden. Denn an dem Vertrag hängt auch unsere erste Jah­res­bilanz. Über das erste Kun­den­feedback zu unserer Beta-Version der Software habe ich mich sehr gefreut, weil es zeigt, dass unser Produkt für die Praxis sehr relevant ist. Sehr positiv finde ich auch, wie viel pro­fes­sio­neller wir mit der Zeit und der Aus­gründung geworden sind.

6. Welche Erfah­rungen möchtet Ihr an andere wei­ter­geben, die jetzt vor der Ent­scheidung zur Selbst­stän­digkeit stehen?

Da kann ich vor allem ganz grund­men­sch­liche Erfah­rungen teilen: Auf sein Bauch­gefühl zu achten, finde ich sehr wichtig. Außerdem braucht man ein gewisses Grund­ver­trauen in sein Unter­nehmen, dass es klappen wird. Ich war da anfangs viel kri­ti­scher, aber mein Kollege Axel war von Beginn an  von unserer Idee und unserem Produkt über­zeugt und hat stark an das Unter­nehmen geglaubt.

Ein wich­tiger Tipp: Man braucht einen Steu­er­be­rater! Wir arbeiten sehr gut mit unserer Steu­er­be­ra­terin Frau Bock von Treu­bilanz zusammen, die uns auch sehr viele Fragen in der Grün­dungszeit beant­wortet hat.

7. Was ist Eure Zukunftsvision?

Neben einer effi­zi­enten Pro­zess­software fehlt seit Ent­wicklung der TFP-Tech­no­logie eine Mög­lichkeit, kom­plexe Faser­ver­bund­struk­turen auch simu­lieren zu können. Erst dann kann das Potenzial der Ver­bund­werk­stoffe nahezu voll­ständig aus­ge­schöpft werden. Im wis­sen­schaft­lichen Umfeld wurden hierzu erste Ansätze ent­wi­ckelt, die bereits aus der Industrie nach­ge­fragt werden. Da die Kom­ple­xität einer ent­spre­chenden Soft­ware­lösung aber sehr groß ist, schätzen wir, dass bis zu einer Kom­mer­zia­li­sierung noch etwa ein bis zwei Jahre Ent­wick­lungszeit not­wendig sind.

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