Gründerportrait #83: FlowLogix – hält den Materialfluss am Laufen

Automatisierte Transportsysteme sind in der Logistik und Produktion nicht mehr wegzudenken. Egal ob in Lagern von großen Versandhändlern oder der produzierenden Industrie – sie halten den Material- und Warenfluss 24/7 am Laufen und sind mit entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen. Wissenschaftler aus der TU Dresden haben ihr umfassendes Know-how in der Planung und Steuerung von automatisierten innerbetrieblichen Transportsystemen, sogenannten AMHS (Automated Material Handling Systems), nun in einer Software umgesetzt. Über ihre Geschäftsidee und den Start als Unternehmen berichtet Dr. Martin Erler, Mitgründer und Geschäftsführer von FlowLogiX im Interview.

Das Team von FlowLogiX (Foto: XXX)

Das Team von FlowLogiX (Foto: Simon Weiß)

Worum geht es bei eurer Geschäftsidee?

Transportsysteme sind unsere Leidenschaft. Wir generieren den „Digital Twin“ für alle Arten automatisierter Transportsysteme, ob schienengeführt oder freifahrend, an der Decke oder am Boden. Unsere Monitoring und Maintenance Suite (MMS) bietet einen durchgängigen Workflow für alle Arbeiten rund um Planung, Betrieb und Optimierung von automatisierten innerbetrieblichen Transportsystemen AMHS. Sie bietet die Möglichkeit für Live-Visualisierungen, Analyse, Anpassung und Simulation. Zudem nutzen wir sie zur Beratung bei der Gestaltung, Auslegung und Optimierung von Transportsystemen.

So profitiert die Maintenanceabteilung von der übersichtlichen Darstellung des gesamten Layouts, einer globalen Suche, automatischer Erkennung und Meldung von Staus und anderen unerwünschten Ereignissen – und das auf allen gängigen Endgeräten. Planungsabteilungen hingegen nutzen gerne die integrierten Analyse- und Visulisierungsfunktionen für z.B. Streckenauslastung, Fahrzeugverhalten und Auftragsstatus. Innerhalb des History-Players ist es möglich, die vergangenen 30 Tage zu analysieren.

Mithilfe der integrierten Simulation können auch zukünftige Szenarien untersucht werden. Die benötigten Daten (wie z.B. Mapdaten, Transportdaten oder Fahrzeugverhalten) werden per Klick automatisiert bereitgestellt. Auch die Optimierung von systemeigenen Parametern wie z.B. der Kantengewichte erfolgt automatisch. Unsere MMS ist ein mächtiges Werkzeug, mit dem die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ganzheitlich erfasst und analysiert werden kann. Sie bietet Alles, was man von einem Digital-Twin erwartet und sogar noch ein bisschen mehr.

 

Wie entstand die Idee und wann habt ihr entschieden, sie auch umzusetzen?

Die FlowLogiX ist eine Ausgründung aus dem Institut für Technische Logistik an der TU Dresden. Drei von uns Gründern, Martin Erler, Robert Schmaler und Christian Hammel, haben dort zu den Eigenschaften, der Planung und Steuerung von automatisierten innerbetrieblichen Transportsystemen geforscht. Neben der Forschung begleiteten wir auch Firmen bei der Erweiterung, Verbesserung und Planung ihrer AMHS in zahlreichen Beratungsprojekten. Dabei konnten wir uns ein umfangreiches Wissen und Know-How auf diesem Gebiet aneignen. Dieses wollten wir dann in Form einer leicht zu benutzenden, hoch effizienten Software der Wirtschaft zur Verfügung zu stellen. Dafür holten wir mit Lars Triska noch einen Softwareexperten mit ins Boot.

FlowLogix - „Digital Twin“ für alle Arten automatisierter Transportsysteme (Bild: FlowLogiX)

FlowLogix – „Digital Twin“ für alle Arten automatisierter Transportsysteme (Bild: FlowLogiX)

Was waren die drei größten Herausforderungen auf dem Weg in die Selbstständigkeit und wie habt ihr sie bewältigt?

Zuerst war die Teamfindung ein nicht ganz so leichtes Unterfangen. Während einige förmlich darauf brannten, endlich anfangen zu können, waren andere eher zurückhaltend und vorsichtig. Da waren auf beiden Seiten Kompromisse notwendig.

Dann war da natürlich das Gründerstipendium. Der Antrag war recht herausfordernd und hat uns Einiges abverlangt. Erfolgreich waren wir letzten Endes durch eine Kombination aus Durchhaltevermögen und Hilfe.

Die letzte große Herausforderung war die schwarze Zahl, wenn das Gründerstipendium ausläuft. Hierfür mussten wir ein bisschen wachsen und uns bei der Projektakquise ordentlich ins Zeug legen. Durch unsere guten Kontakte aus unserem vorherigen Arbeitsleben haben wir aber auch das geschafft.

 

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FlowLogiX

Was macht euch besonders stolz bzw. was waren bisher eure größten Erfolge?

Der erste große Erfolg war sicherlich der Erhalt des Gründerstipendiums. Erst hierdurch konnten wir überhaupt anfangen, unsere Ideen zu verwirklichen. Rückwirkend scheint sowas immer ganz klar – aber ich weiß noch genau, dass wir es damals nicht so empfunden haben und uns tierisch gefreut haben.

Stolz sind wir auch darauf, dass wir es geschafft haben, unser Produkt zu entwickeln und parallel dazu Auftrags- und Consultingprojekte durchzuführen. Dadurch kommen wir bis heute ohne Fremd- oder Risikokapital aus. Das verschafft uns viel Freiheit.

 

Welche Unterstützung hat euch in der Gründungsphase besonders geholfen?

Da muss man zwischen finanzieller und fachlicher Unterstützung unterscheiden.

Auf fachlicher Seite wurden die meisten Gespräche natürlich im Team selbst geführt. Es ist immer wieder interessant zu erleben, wie unterschiedlich Menschen sein können und wie diese Diversität den Lösungsraum des Teams erweitert. Von extern war dresden|exists immer ein guter Ansprechpartner – mindestens als erste Anlauflaufstelle – meistens aber auch darüber hinaus.

Auch auf der finanziellen Seite hat das EXIST-Gründerstipendium sicherlich den größten Beitrag in der Gründungsphase geleistet.

 

Welche Erfahrungen/Tipps möchtet ihr anderen Gründern mit auf den Weg geben?

Gründe nicht allein. Such dir Leute, mit denen Du dich gut verstehst (am besten vorher schon). Ihr solltet nicht zu gleich sein. Es wird immer viel auf die Fachkompetenz geschaut der einzelnen Gründer. Aber fast noch wichtiger ist der Charakter. Da solltet ihr möglichst divers aufgestellt sein (kleiner Tipp: DISG-Modell).

Ich würde auch unbedingt vorher von allen die Ziele und Wünsche fürs Gründen abholen. Die sollten schon irgendwie vorhanden und kompatibel sein.

Ihr müsst den Markt kennen, in den ihr rein wollt. Und kennen bedeutet, darin schon einmal etwas gemacht zu haben. Wenn ihr das Wording und die speziellen Eigenheiten der Branche nicht draufhabt, nimmt euch keiner Ernst.

 

Wo seht Ihr euer Unternehmen in 5 Jahren?

Hoffentlich noch immer in Dresden und zwar als Marktführer von „Digital Twins“ für AMHS. Wir haben dann zwangsläufig einen funktionierenden internationalen Vertrieb und vor allem: noch viele weitere tolle Teammitglieder, mit denen wir zusammen diesen Traum Wirklichkeit werden lassen.

 

Ihr sucht eine neue Herausforderung und findet spannend, was FlowLogiX macht? Das Startup sucht aktuell Verstärkung im Bereich Softwareentwicklung, bietet aber auch Praktika oder Belegarbeiten/Abschlussarbeiten an. Zu den aktuellen Stellenangeboten geht’s hierlang.

 

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