Gründen neben Job und Studium – Erfahrungen aus dem Nebenerwerb

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Christoph Blödner (4. v. links) und Sven Schellin (1. v. links) berichteten offen über ihre Gründungserfahrungen.

Sich mit einer Idee selbstständig zu machen, an die noch niemand gedacht hat, ist der Traum von vielen. Doch was ist, wenn das Konzept nicht richtig funktioniert und es am Ende keinen Plan B gibt? Ein guter Mittelweg ist, im Nebenerwerb zu starten und das eigene Unternehmen parallel zu Job oder Studium aufzubauen. Das bringt zunächst eine Doppelbelastung mit sich, bietet aber gleichzeitig mehr Sicherheit. Gerade Gründer die sich nicht sicher sind, ihre Kosten vollständig durch Einnahmen decken zu können und trotzdem ohne fremde finanzielle Mittel starten möchten, können so ihre Idee testen. Die beiden Gründer Christoph Blödner (bricksy.com) und Sven Schellin (Packrafting Store) sind diesen Weg gegangen. Beim ersten „Gründertreff on Tour“ (26.11.2013) berichteten sie in der Nikkifaktur vor mehr als 40 Interessierten sehr offen über ihre Gründungserfahrungen und über Herausforderungen die sie seitdem meistern mussten. Mit ihnen diskutierten die Gründungsberater Heinrich Leuschner (Sächsisches Gründerbüro) und Sebastian Löbelt-Friedrich (dresden|exists).

Bricksy.com – vom Studium zum eigenen Unternehmen

Schon während seines Wirtschaftsstudiums merkte Christoph Blödner, dass ein Angestelltenverhältnis nichts für ihn ist. Sein großes Ziel war seitdem der Schritt in die Selbstständigkeit. Beim Verkauf alter Legosteine aus seinen Kindertagen merkte er, dass vollständig erhaltene Bausätze mehr Geld einbringen als lose „Kiloware“. Da entstand die Idee, gebrauchte Steine anzukaufen, diese zu vollständigen Sets zusammenzusetzen und sie weiter zu verkaufen. Innerhalb von fünf Jahren gelang es ihm mit dieser Idee zum größten Händler für gebrauchte Lego-Steine zu werden. Noch als Student gründete er mit einem Startkapital von nur 1.000 Euro Bricksy als Ein-Mann-Unternehmen. Mittlerweile führt er das Unternehmen hauptberuflich und beschäftigt 4 Festangestellte und 50 Hilfskräfte.

Packrafting Store – zwischen Angestelltenverhältnis und Selbstständigkeit

2012 gründete Sven Schellin mit seinem Partner Marc Kreinacker den „Packrafting Store“. Dort verkaufen sie leichte, faltbare Schlauchboote für kombinierte Wasser-Land-Touren. Im Vergleich zu herkömmlichen Schlauchbooten, haben die „Packrafts“ ein derart kleines Packmaß, dass sie bequem im Rucksack Platz haben. Hergestellt werden die Boote in den USA. Für Europa sicherte sich der Packrafting Store die exklusiven Vertriebsrechte, was die Gründer sehr viel Überzeugungsarbeit kostete. Die Idee kam dem leidenschaftlichen Outdoor-Fan Sven Schellin 2006 durch sein Hobby. Die Packrafts begeisterten ihn so sehr, dass er selbst eines haben wollte. In Europa waren sie aber nicht zu bekommen, sodass er sich eines aus den USA besorgte. Da das Packraft in seinem Bekanntenkreis immer mehr Fans bekam und Sven Schellin nun auch für Andere die Boote organisierte, machte er sein Hobby kurzerhand zum Beruf. 2011 begann er neben seinem Job mit der Erstellung des Onlineshops. Konnte er zu Beginn seinen Lebensunterhalt noch nicht durch den Packrafting Store bestreiten, arbeitete er ein Jahr später schon fast Vollzeit in seinem Unternehmen.

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Zum ersten „Gründertreff on Tour“ kamen mehr als 40 Interessierte in die Nikkifaktur.

Beide Gründungsbeispiele zeigen, wie stark die Grenzen zwischen Voll- und Nebenerwerb verschwimmen. Wann ist ein Gewerbe Nebenerwerb und wann nicht? Formal gibt es diese Unterscheidung nicht. Eine Gewerbeanmeldung braucht es so oder so. Der Unterschied liegt in erster Linie darin, wie viel Zeit ein Gründer für sein Startup aufwendet und ob er daneben noch weitere Einnahmen beispielsweise aus einer Festanstellung generiert.

Für kleinere Unternehmen und vor allem für Nebenerwerbsgründungen ist es oft schwer, mit wenig Geld effektiv Werbung zu machen. Für den Packrafting Store waren Beiträge in Outdoor – und Survival Fernsehsendungen ein idealer Weg, eine große Zahl potenzieller Kunden anzusprechen. Der Erfolg gab Sven Schellin recht. Nach Ausstrahlung der Beiträge stieg die Nachfrage nach Packrafts sprunghaft an. Christoph Blödner investiert dagegen kaum Zeit in gesonderte Marketingmaßnahmen, da seine Verkäufe vor allem über ebay laufen und das Portal das Marketing übernimmt.

Die Konkurrenz austesten

Das Thema Konkurrenz war und ist für beide Startups eine Herausforderung, denn beide Gründungsideen lassen sich nicht vor Nachahmern schützen. In der Zeit der nebenberuflichen Selbstständigkeit konnten sie zwar ihre Geschäftsideen ohne großes Risiko austesten, aber Christoph Blödner stellte auch fest „Man kann den Markt erst wirklich einschätzen, wenn man mitten drin ist“. Er machte die Erfahrung, dass auch andere gebrauchtes Lego verkaufen, aber die Verkäufer meist selbst Sammler sind und daher weniger ökonomisch denken. Oftmals behalten sie wertvolle Sets lieber für sich selbst, als sie weiterzuverkaufen.

Derzeit muss sich Sven Schellin um Konkurrenz wenig Sorgen machen. An seinem Geschäftsmodell hat er nie gezweifelt und durch seinen Exklusivvertrag besitzt er ein gewisses Monopol in Europa. Die Kehrseite ist jedoch das Abhängigkeitsverhältnis zu dem US-amerikanischen Hersteller. Auch wenn derzeit andere Hersteller die Boote nicht in der Qualität und zu dem Preis anbieten können, versucht Sven Schellin sein Angebot weiter zu diversifizieren und auszubauen. Mit Packrafting-Zubehör wie zum Beispiel wasserdichten Anzügen die er unter einer Eigenmarke vertreibt, schafft er sich ein zusätzliches Standbein und reduziert so die Abhängigkeit von einem Lieferanten.

Gründungsinteressierten geben die Gründer folgende Tipps mit auf den Weg:

  • Am wichtigsten ist es, im Prozess dazulernen und mit seinen Herausforderungen zu wachsen.
  • Nicht jeder gutgemeinte Rat ist wertvoll. Glauben Sie an Ihre Idee.
  • Den Markt kann man erst wirklich einschätzen, wenn man selbst drin ist.
  • Um sich nicht in der Idee zu verrennen, ist es sinnvoll eine bestimmte Summe Geld oder eine bestimmte Zeitspanne festzulegen, die man vorerst in das Unternehmen investiert.
  • Das Unternehmen braucht ein klares Alleinstellungsmerkmal! Daher sollte man sich ausprobieren und keine Angst vor Neuem haben.
  • Ein großer Unternehmensgewinn im Nebenerwerb kann zu Kürzungen im Stipendium oder Bafög führen. Eine Möglichkeit dies zu vermeiden ist, den Gewinn immer wieder zu investieren
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