ETTBio Partner-Treffen: Wie funktioniert erfolgreicher Technologietransfer in der Biotechnologie in der Region Flandern/Belgien?

© 2012, Hubert Ludwiczak/BioTech-IP.pl, CC BY-NC-ND 3.0

Am 11. und 12. Oktober 2012 trafen sich die Partner des EU-Projektes ETTBio (“Effectiveness of Technology Transfer in Biotechnology”) in Brüssel und Gent, um einen Einblick in die erfolgreichen Technologietransferaktivitäten in der Region Flandern zu gewinnen.

Das EU Projekt ETTBio, welches im Rahmen des INTERREG IVC-Programms seit Beginn 2012 finanziert wird, dient dem Austausch von Wissen und Erfahrung im Bereich des Technologietransfers in der Biotechnologie zwischen den sieben europäischen Regionen Brüssel, London, Barcelona, Warschau, Tartu, Ostrava und Dresden. Bei dem ersten Vor-Ort-Besuch in Brüssel und der Region Flandern konnten die Teilnehmer einen wichtigen Einblick in die exzellenten Technologietransferaktivitäten der beiden Institutionen Flanders Interuniversity Institute for Biotechnology (VIB) und Vrije Universiteit Brussels (VUB) gewinnen und dabei die ersten “Good Practices” in dieser Region identifizieren. Diese „Good Practices“ dienen im nächsten Schritt als Implementierungsgrundlage für Regionen, die bei den entsprechenden Technologietransferaktivitäten noch Schwächen haben.

Eine der wichtigsten “Good Practices” stellte dabei der klar strukturierte und Wissenschaftler-nahe Technologietransferprozess des VIB dar, der eine frühzeitige Identifikation und dadurch den Schutz potentieller Erfindungen erlaubt, bevor sie veröffentlicht werden. Dazu steht ein kompetentes und industrieerfahrenes Team im Technologietransferbüro des VIB inklusive in-house Patentanwälten bereit, welches sich in regelmäßigen Abständen mit den VIB-Wissenschaftlern trifft, um nach neuen Technologien zu screenen, Erfindungen zu bewerten, Verwertungsstrategien zu entwickeln sowie die Entwicklung zu innovativen Produkten und Dienstleistungen systematisch zu planen. Die Bereitschaft der Wissenschaftler zum aktiven Technologietransfer wird dabei unter anderem dadurch gestärkt, dass die Qualität ihrer wissenschaftlichen Arbeit nicht nur anhand von wissenschaftlicher Exzellenz („Impactfaktoren“) und erfolgreich eingeworbenen Drittmitteln, sondern auch anhand Technologietransfer-relevanter Kriterien wie Patente, Lizenzen und Spin-Offs evaluiert wird. Bei Spin-Offs legt das Technologietransfer-Team dabei wert auf „Qualität“ statt auf „Quantität“: durchschnittlich ein VIB-Spin-Off pro Jahr wird oftmals unter der Führung eines Serial-Entrepreneurs als wirtschaftlich eigenständiges Unternehmen im eigenen Gründerzentrum inkubiert. Seit Gründung des VIB in 1996 sind 13 Ausgründungen entstanden, wovon sieben mit Risikokapital finanziert und zwei an der Börse notiert sind. In 2011 hatten die VIB Ausgründungen zusammen 540 Mitarbeiter.

© 2012, Hubert Ludwiczak/BioTech-IP.pl, CC BY-NC-ND 3.0

Eine weitere sehr spannende „Good Practice“ stellte ein Frühphasenfonds von vier belgischen Universitäten dar, durch den erfolgversprechende Projekte und Technologien so weit entwickelt werden können, dass sie für Risikokapitalgeber interessant werden. Investoren dieses Fonds, für den kürzlich der Nachfolgefonds erfolgreich aufgelegt wurde, sind mehrere Bankinstitute. Der Fonds schließt die oft nur schwer überwindbare Lücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und ist nicht zuletzt durch die vergleichsweise gut ausgeprägte Venture Capital Branche in Flandern überhaupt erst möglich geworden.

Die wichtigste Grundlage für einen erfolgreichen Technologietransfer in der Biotechnologie – darin waren sich alle Technologietransferverantwortlichen in Flandern einig – bildet jedoch eine ausgeprägte Wissenschaftslandschaft mit exzellenten Forschern. In Sachsen wurde hierfür die Grundlage mit der sächsischen Biotechnologieoffensive mit Beginn im Jahr 2000 geschaffen. Um die wirtschaftliche Verwertung der wissenschaftlichen Ergebnisse zukünftig stärker zu unterstützen, arbeitet die Zukunftskommission “biosax2030“ an einer zweiten Biotechnologieoffensive, bei der in den kommenden zehn Jahre weitere 180 Millionen Euro in der Region Sachsen investiert werden sollen. Die Erfahrungen, die das ETTBio Team dabei durch die Partnerregionen erwirbt, werden bei der Umsetzung der Ziele von „biosax2030“ eine wichtige Rolle spielen.

Weitere Informationen zum Projekt ETTBio finden Sie unter: www.ettbio.eu

Autoren: Nadine Schmieder-Galfe und Oliver Uecke

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