Rückblick 36.Gründerfoyer – von „Guter Hausmannskost und radikalen Innovationen“

Ziel des Gründerfoyers ist es, den Unternehmergeist im Publikum zu beleben oder zu entfachen und damit den ersten Schritt für Unternehmer-Karrieren zu legen, erklärte Dr. Gregor Kampwerth, Geschäftsführer der SIB Innovations- und Beteiligungsgesellschaft mbH, in seinem Grußwort. Damit hat er treffend beschrieben, was die Motivation hinter der Veranstaltung Gründerfoyer ist: den Besuchern die Möglichkeit geben, die Gründungsgeschichte eines bekannten Unternehmens von der Gründerperson selbst zu erfahren und ihren Spirit mit zu erleben.

Dr. Gregor Kampwerth*

„Von den Großen lernen“ ist das Motto der Veranstaltung von dresden exists – diesmal handelte es sich dabei um Prof. Jörg Sennheiser von Sennheiser electronic. In der Gründungsgeschichte von Sennheiser, wie man später erfahren konnte, spiegeln sich auch viele der Qualitäten wieder, die Herr Dr. Kampwerth beschrieb. Eine Gründerperson sollte über ein geschärftes Bewusstsein für die Innovation seines Produktes bzw. Dienstleistung verfügen. Es ist sehr wichtig, als Gründer und Gründerin die Weggabelung zu erkennen und die Besonderheit der eigenen Entdeckung wahrzunehmen.

Prof. Dr. Jörg Sennheiser

Die einen roten Faden konnte man dieses Verständnis von der Besonderheit der eigenen Idee und das Bewusstsein, vor einer entscheidenden Weggabelung zu stehen in den Schilderungen von Prof. Dr. Jörg Sennheiser zur Gründungs- und Unternehmensgeschichte von Sennheiser electronic verfolgen:

Mit der Gründung des Labor W (Labor Wennebostel, Wedemark bei Hannover) im Jahr 1945 bewies Dr. Fritz Sennheiser ungeheuren Weitblick und Mut. Eigentlich verschlug die Forschung den Berliner mit dem Heinrich-Hertz-Institut nach Hannover. Doch dann kam der Krieg und alle Voraussetzungen hatten sich geändert: Ingenieurwissen sollte in Deutschland gar keine Rolle mehr spielen. Für Fritz Sennheiser hätte die Forschung in Deutschland nicht weiterbetreiben können, Angebote aus den USA schlug er aus. Stattdessen entschied er sich für die Gründung eines Unternehmens, das auf Ingenieurskunst setzt – und wurde dabei von vielen für verrückt gehalten. Die ersten Produkte aus dem Labor W waren Messgeräte, die mit Hilfe der noch aus der Vorkriegszeit guten Kontakte zu Siemens leicht vertrieben werden konnten. „Nach dem Krieg wurde alles gebraucht!“ Daneben wurden Verstärker gebaut, das Modell mit 80 Watt – genannt „Kommissbrot“ – wurde beispielsweise im Kinobetrieb eingesetzt.

Die nächsten Produkte, die in Serie gingen waren Mikrofone. Diese sollten am besten relativ klein sein, da die Politiker nach dem 2. Weltkrieg viele Reden halten wollten, bei denen man auch ihr Gesicht sehen sollte. Sehr interessant ist auch, dass die Menge der Mikrofone vor einem Politiker als eine Art Status-Symbol genutzt wurde. Für den reinen Zweck hätte auch ein einziges Mikrofon gereicht.

Ein weiterer Entschluss, der mit viel Mut und Weitblick getroffen wurde, war der Aufbau der Marke Sennheiser. Ausschlaggebend war die konservative Gesinnung des damaligen australischen Premierministers. Nach dem ein australischer Einkäufer Mikrofone des Labor W von der Hannover Messe nach Down Under brachte, wurden diese auch für die Tour des Premiers durch Australien benutzt, bis dieser sich weigerte „Gewerkschaftsmikrofone“ zu benutzen. Das Labor sollte ab jetzt keines mehr bleiben sondern das familiengeführte Industrieunternehmen Sennheiser werden.

Zur nächsten Weggabelung und damit radikalen Innovation führte eine neue Technologie – nämlich der Einsatz von Elektreten. Die Entscheidung, Mikrofone mit dem äußerst günstigen elektrotechnischen Werkstoff Elektret zu produzieren ist so folgenschwer, da diese alle anderen Mikrofone vom Markt verdrängen würde. Weiterhin war auch die „chemische“ Komponente der Verwendung von Elektreten ein schwieriger Aspekt bei dieser Entscheidung, da die Sennheiser-Ingenieure mit den chemischen Eigenschaften noch keine Erfahrungen hatten. An dieser Stelle -kommt noch die Bedeutung einer anderen wichtigen Unternehmereigenschaft zum tragen: Beharrlichkeit. Das Team machte sich auf den Weg, alles über Elektrete zu lernen – gemäß der Geschichte von Tranquilla Trampeltreu, die zeigt, wie wichtig es ist ein Ziel weiter zu verfolgen – egal wie lange es dauert es zu erreichen. Die Entwicklungskosten sollte man natürlich nicht aus den Augen verlieren.

Prof. Jörg Sennheiser gab uns noch viele weitere Beispiele für radikale Innovationen bei Sennheiser, die er uns pragmatisch und mit Witz schilderte.

Neben der hochinteressanten bereits 65jährigen Unternehmensgeschichte von Sennheiser electronic konnten die Besucher auch Gründerteams kennenlernen, die noch ganz am Anfang stehen.

In einem Elevator Pitch konnten die Besucher im Fahrstuhl mitfahren und in jeweils zwei Minuten mehr über die Geschäftsideen der Teams Tourschall, Volume 11 ; UniversalRAUM; dem Team FP Luxx aus dem Institut für Werkstoffwissenschaften an der TU Dresden Erfahren. Die Gründer von fashion-is-victim und neonworx konnte man später im Ausstellungsbereich zu Ihren Vorhaben und Angeboten befragen.

Nils Buchartz/Volume 11*

Hauke Menges/Tourschall*

Gesine Marquardt, Nadine Glasow/Universalraum*

Marcus Kistner/FP LuXX*

Team Neonworx im Gespräch*

Marco Lindner/fashion-is-victim*

Wir danken Prof. Jörg Sennheiser, Dr. Gregor Kampwerth, allen Gründerteams und Ausstellern und natürlich unseren Partnern für Ihr Engagement. Wir danken allen Teilnehmern – mehr als 500 Personen fanden den Weg ins Hörsaalzentrum – für Ihr Interesse und Ihren Besuch! An dieser Stelle auch einen besonderen Dank an unsere Sponsoren: Die Bäckerei Möbius, die Brauerei Rechenberger, Glasfoto und die Ostsächsischen Sparkasse Dresden.

Sehen Sie alle Fotos hier.

* Fotos: Robert Gebler

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